8 Tipps für einen besseren Druckausgleich beim Tauchen

Druckausgleich beim Tauchen
Wenn der Druckausgleich nicht richtig ausgeführt wird, dann kann das zu einem Barotrauma des Mittelohrs führen. Foto: © Simon Gurney - Fotolia.com

Druckausgleich beim Tauchen

Der richtige Druckausgleich ist einer der wichtigsten Skills beim Sporttauchen. Wird der Druck im Mittelohr nicht kontinuierlich an den Umgebungsdruck angepasst, kann das nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch zu Folgeschäden führen. Wer viele Jahre Freude am schönsten Hobby der Welt haben möchte, muss unbedingt auf die Gesundheit seiner Ohren achten. Die folgenden Tipps sollen Tauchern helfen, Schwierigkeiten beim Druckausgleich zu vermeiden.




Was ist der Druckausgleich beim Tauchen?

In der Tiefe herrschen andere Druckverhältnisse als an der Wasseroberfläche. Als Faustregel gilt: Alle 10 Meter erhöht sich der Wasserdruck um eine Atmosphäre. In einer Tiefe von 30 Metern wirkt ein Druck von rund 4 Atmosphären auf den menschlichen Körper ein. Da wir zu mehr als 90 Prozent aus Wasser bestehen, ergeben sich daraus keine größeren Probleme. Wasser lässt sich nicht zusammendrücken, deshalb behält der Körper seine äußere Form bei. Anders sieht es jedoch mit den verschiedenen Hohlräumen wie Stirnhöhle, Nasennebenhöhlen, Mittelohr oder Lunge aus. Sie sind mit Luft gefüllt und müssen alle mit zunehmender Tiefe an den jeweiligen Druck angepasst werden. Der große luftgefüllte Hohlraum der Tauchmaske gehört ebenfalls dazu. In der Lunge, den Nasennebenhöhlen sowie der Stirnhöhle erfolgt der Druckausgleich in der Regel automatisch durch die kontinuierlichen Atemzüge über den Lungenautomaten. In den Hohlräumen der beiden Ohren ist das jedoch nicht der Fall. Als Druckausgleich beim Tauchen wird die Anpassung des Drucks in den Ohren an den jeweiligen Umgebungsdruck bezeichnet.

Warum müssen Taucher einen Druckausgleich machen?

Die Ohren sind folgendermaßen aufgebaut: Der äußere Gehörgang schließt mit dem Trommelfell ab. Dahinter befindet sich das mit Luft gefüllte Mittelohr gefolgt vom Innenohr. Beim Tauchen muss der Druck im Mittelohr kontinuierlich ausgeglichen werden. Beim Abtauchen wird durch den zunehmenden Außendruck die Luft im Ohr komprimiert. Als Folge wölbt sich das elastische Trommelfell nach innen und der Taucher spürt einen Druck auf den Ohren. Bei einer sehr starken Überdehnung des Trommelfells können Schmerzen auftreten. Führt der Taucher einen Druckausgleich durch, wird dadurch Luft aus dem Nasen-Rachen-Raum in das Mittelohr gepresst. Das Trommelfell nimmt wieder seine ursprüngliche Position ein und das Druckgefühl sowie die Schmerzen lassen nach.

Der Verbindungskanal, der den Druckausgleich ermöglicht, wird Eustachische Röhre oder Ohrtrompete genannt. Bei Erwachsenen ist dieser Kanal etwa 3,8 Zentimeter lang und befindet sich im hinteren Teil des Nasen-Rachen-Raums in Höhe des jeweiligen Nasenlochs. Die Form und der Verlauf der Eustachischen Röhren sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Manche Taucher haben überhaupt keine Probleme, einen Druckausgleich durchzuführen. Bei einer sehr engen oder blockierten Eustachischen Röhre ist das deutlich schwieriger und erfordert viel Übung. Eine normale Tubenfunktion kann bei einer Erkältung oder Allergie gestört sein, wodurch kein Druckausgleich mehr möglich ist.

Darstellung eines Trommelfellriss

Darstellung eines Trommelfellriss.
Grafik: © Henrie – Fotolia.com

Wie wird der Druckausgleich durchgeführt?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Druck in den Ohren auszugleichen. Die Bekanntesten werden Valsalva, Frenzel und Toynbee Methode genannt.

Valsalva Technik

Die einfachste Methode ist die sogenannte Valsalva Technik. Sie kann auch von Anfängern ohne großes Training durchgeführt werden. Zum Druckausgleich presst der Taucher mit Daumen und Zeigefinger einer Hand seine Nasenflügel zusammen und verschließt dadurch die Nasenlöcher. Mit einem sanften Ausatmen durch die Nase wird ein Druck aufgebaut, der die Eustachische Röhre öffnet. Bei dieser Methode bläst man die Wangen nicht auf.

Die Valsalva Technik weist einen großen Nachteil auf: Durch die wiederholte Anstrengung beim Pressen kann das Gewebe rund um die Eustachischen Röhren anschwellen. Der Rückfluss des venösen Blutes wird beeinträchtigt, was zu einem Blutdruckabfall führen kann.

Frenzel Methode

Die Frenzel Methode ist deutlich schwieriger in der Umsetzung und sollte am besten vor dem Spiegel geübt werden. Um die Technik korrekt durchzuführen, stellt man sich vor, man will ein schweres Gewicht stemmen. Dadurch riegelt der Körper die Stimmbänder ab. Mit Daumen und Zeigefinger einer Hand werden die Nasenflügel zusammengepresst, während man gleichzeitig einen gutturalen K-Laut („Kö“) ausstößt. Dabei hebt sich der hintere Teil der Zunge und der Kehlkopf wird nach oben gedrückt. Wenn die Technik richtig durchgeführt wird, blähen sich die Nasenflügel auf und der Adamsapfel hebt sich gleichzeitig an. Die Frenzel Methode bietet zwei entscheidende Vorteile: Zum einen wird die Atmung dadurch nicht unterbrochen. Aufgrund der geringen Anstrengung ist der Rückfluss des Blutes zum Herzen nicht beeinträchtigt.

Toynbee Methode

Bei der Toynbee Methode drückt der Taucher die Nasenflügel zusammen und schluckt gleichzeitig. Die beiden Eustachischen Röhren werden durch den Druck der Halsmuskulatur geöffnet. Viele Tauchanfänger haben Probleme mit dieser Technik, da beim Einatmen von trockener Pressluft das Schlucken erschwert ist. Die Toynbee Methode eignet sich nicht für einen schnellen Abstieg. Wenn der Taucher den richtigen Zeitpunkt zum Druckausgleich verpasst, wird es immer schwerer die Eustachische Röhre zu öffnen.

Was kann passieren, wenn der Druckausgleich nicht richtig durchgeführt wird?

Wenn der Druck im Ohr nicht immer wieder an den Umgebungsdruck angepasst wird, kann das zu einem Barotrauma des Mittelohrs führen. Durch das Abtauchen erhöht sich der Druck in den Ohren. Diese Drucksteigerung bewirkt nach dem Boyle-Mariotte Gesetz eine Verkleinerung des Volumens. Dadurch wölbt sich das Trommelfell nach innen. Findet kein Druckausgleich statt, kann das Trommelfell reißen und Wasser strömt in das Mittel- und Innenohr. Der plötzliche Kältereiz bewirkt das kurzzeitige Auftreten eines Drehschwindels. Der betroffene Taucher verliert die Orientierung und gerät unter Umständen in Panik. Wenn er unkontrolliert aufsteigt, besteht die große Gefahr, nicht mehr richtig auszuatmen. Dadurch kann es zu einem lebensgefährlichen Barotrauma der Lunge kommen.




8 Tipps zum besseren Druckausgleich

Viele Taucher haben überhaupt keine Schwierigkeiten, den Druck in ihren Ohren auszugleichen. Wer jedoch Probleme mit dem Druckausgleich hat, sollte folgende Hinweise beachten.

  1. Vor dem Tauchen die Eustachische Röhre dehnen

    Bereits vor dem Tauchgang sollten die Eustachischen Röhren gelockert werden. Einfach ein paar Mal einen sanften Druckausgleich mit der Frenzel oder Valsalva Technik durchführen. Darüber hinaus lassen sich eventuelle Probleme bereits an Land feststellen.

  2. Früh und oft

    Treten Schwierigkeiten beim Abstieg auf, liegt das häufig daran, dass der Taucher mit dem Druckausgleich zu lange wartet. Wenn die Druckdifferenz zwischen Mittelohr und Umgebung zu groß wird, ist es fast unmöglich, die Eustachische Röhre zu öffnen. Die wichtigste Regel für den Druckausgleich lautet: möglichst früh und möglichst oft. Auf keinen Fall sollten Taucher so lange warten, bis sich ein starkes Druckgefühl in den Ohren aufbaut oder sogar Schmerzen auftreten.

  3. Langsamer Abstieg

    Je schneller man abtaucht, umso schwieriger wird der Druckausgleich. Taucher sollten den Abstieg deshalb möglichst langsam durchführen und dabei kontinuierlich den Druck in den Ohren anpassen. Ergeben sich dabei Probleme, hilft es manchmal den Kopf so zu drehen, dass das betroffene Ohr in Richtung Wasseroberfläche zeigt.

  4. Mit den Füßen zuerst

    Wer mit dem Kopf zuerst nach unten taucht, baut zusätzlichen Druck in den Ohren auf. Der Druckausgleich ist bedeutend einfacher, wenn man mit den Füßen zuerst in die Tiefe schwebt. Ein Abtauchen an der Ankerleine hilft dabei, die Abstiegsgeschwindigkeit zu kontrollieren.

  5. Zwischenstopps einlegen

    Auf dem Weg nach unten sollten Taucher immer wieder anhalten. Kurze Flossenschläge verhindern das weitere Absinken. Bevor man den Abstieg fortgesetzt, wird noch einmal ein Druckausgleich durchgeführt. Bleibt der Druck auf den Ohren bestehen, sollte man nicht versuchen, den Ausgleich durch eine große Kraftanstrengung zu erzwingen. Am besten steigt man einen oder zwei Meter auf und versucht das Ganze noch einmal.

  6. Alternative Methoden verwenden

    Wenn der Druckausgleich mithilfe der Frenzel oder Valsalva Technik nicht bewerkstelligt werden kann, sollte man auf eine andere Methode zurückgreifen:

    · langsam schlucken,
    · den Unterkiefer nach rechts und links bewegen,
    · Toynbee Metode anwenden.

    Manchmal hilft es auch, während des Druckausgleichs nach oben zu schauen.

  7. Bestimmte Genussmittel einschränken

    Einige Genuss- und Lebensmittel erhöhen die Schleimproduktion im Körper. Milch sowie alle Arten von Milchprodukten (Käse, Sahne, Quark), Alkohol und Tabak zählen zu den Schleimbildnern. Wer häufig Probleme mit dem Druckausgleich hat, sollte sie deshalb schon einige Tage vor dem Tauchgang vermeiden.

  8. Viel Wasser trinken

    Ist unser Körper dehydriert, wird der Schleim in der Nase dickflüssiger. Die Nasengänge können blockieren, wodurch sich der Druckausgleich deutlich erschwert. Taucher sollten aus einer Reihe von Gründen viel Wasser trinken. Der bessere Druckausgleich ist ein weiterer wichtiger Grund.




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