Strömungstauchen: Tipps zum richtigen Verhalten

Strömungstauchen Tipps
Taucher benötigen für das Stömungstauchen spezielle Kenntnisse & Ausrüstung. Foto: © kichigin19 - Fotolia.com

Strömungstauchen – das ultimative Erlebnis

Obwohl Meeresströmungen manchmal unberechenbar und gefährlich sind, bieten sie Tauchern eines der faszinierendsten Unterwasserabenteuer: das Strömungstauchen oder Drift Diving. Mit hoher Geschwindigkeit über ein farbenprächtiges Riff katapultiert zu werden, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Um Strömungstauchgänge richtig durchzuführen, benötigen Taucher spezielle Technik, Planung und Ausrüstung.




Wichtige Voraussetzungen für das Strömungstauchen

Tauchgänge bei starker Strömung sind nur für erfahrene Taucher geeignet. Erst mit den entsprechenden Skills und der notwendigen Routine fühlt man sich wohl und kann die Herausforderung annehmen. Wer sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt oder sogar Angst vor dem Strömungstauchen hat, macht Fehler unter Wasser und geht unnötige Risiken ein. Taucher, die sich richtig verhalten, nutzen die Strömung und werden mit einem fantastischen Naturschauspiel belohnt. Die folgenden Tipps sollen dabei helfen, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und die Faszination Strömungstauchen in vollen Zügen zu genießen.

1. Den Tauchgang nur durchführen, wenn man sich wohlfühlt

Natürlich gilt diese Regel für jeden Tauchgang. Unter anspruchsvollen Bedingungen wie beim Strömungstauchen ist es jedoch besonders wichtig, sich an diesen Grundsatz zu halten. Muss man als unerfahrener Taucher wirklich sich selbst oder anderen irgendetwas beweisen? Wer Angst hat oder sich den Tauchgang nicht zutraut, bringt sich dadurch nur unnötig in Gefahr.

2. Nur die Ausrüstung mitnehmen, die man wirklich benötigt

Beim Strömungstauchen ist es wichtig, nur das Equipment mitzunehmen, was man wirklich braucht. Am Anfang ist beispielsweise eine Unterwasserkamera vollkommen überflüssig. Einsteiger müssen zuerst einmal die nötige Erfahrung sammeln und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen. Dann gelingen auch beeindruckende Unterwasseraufnahmen.

3. Die richtigen Tauchflossen bei Strömungstauchgängen

Viele Taucher verwenden in europäischen Breiten Splitfins. Der Vorteil liegt darin, dass das geteilte Flossenblatt den Wasserwiderstand verringert und die Flossenschläge weniger anstrengend sind. Beim Strömungstauchen haben Splitfins jedoch große Nachteile. In der Strömung werden viele Splitfin-Modelle bei schnellen Flossenschlägen instabil und verwirbeln das Wasser. Dadurch verliert der Taucher den Vortrieb und ist der Strömung hilflos ausgeliefert.

Eine klassische Fußteil-Gummiflosse ist für das Strömungstauchen wesentlich besser geeignet. Die feste Verbindung mit dem Fuß sorgt zusätzlich für mehr Stabilität und bietet eine bessere Kraftübertragung als herkömmliche Geräteflossen. Alternativ können Taucher auch eine Apnoeflosse verwenden.

4. Mehr Blei mitnehmen

Um nicht an interessanten Punkten eines Korallenriffs vorbeizuschießen, kommt es beim Strömungstauchen häufig vor, dass ein Taucher rasch abtauchen muss. Vor allem Einsteigern gelingt das wesentlich besser, wenn sie mehr Blei mitnehmen. Unter Wasser verlaufen Strömungen nicht immer gleichmäßig horizontal. Durch Verwirbelungen des Wassers kann es auch zu einem Auf- oder Abtrieb kommen, den man durch seine Tarierung ausgleichen muss. Etwas mehr Blei verhindert dabei vor allem ein unkontrolliertes Aufsteigen.

5. Nicht lange an der Wasseroberfläche aufhalten

Häufig gibt es in strömungsreichen Gegenden nicht nur eine starke Strömung in der Tiefe, sondern ebenfalls an der Wasseroberfläche. In manchen Fällen sind die beiden Strömungen sogar gegenläufig. Beim Strömungstauchen ist es deshalb wichtig, sich nicht lange an der Oberfläche aufzuhalten, sondern möglichst schnell mit dem Tauchgang zu beginnen. Um dabei nicht abgetrieben zu werden, ist es sinnvoll, an einer Leine abzutauchen. Ist keine Leine vorhanden, hilft bei nicht allzu starker Strömung auch ein Fixpunkt zur Orientierung.

Vom Boot aus beginnen Taucher idealerweise mit einem negativen Einstieg, ohne noch einmal aufzutauchen. Dazu wird die Luft komplett aus der Tarierweste entfernt. Man atmet tief über den Lungenautomaten ein und springt ins Wasser. Aufgrund der erhöhten Bleimenge gewinnt man rasch an Tiefe. Dabei wird langsam ausgeatmet und immer wieder ein Druckausgleich durchgeführt. Sieht man den Meeresgrund unter sich, wird über den Inflator Atemgas in die Tarierweste gepumpt, bis eine neutrale Tarierung erreicht ist.

6. Auf die Stromlinienform achten

Einer der wichtigsten Tipps beim Strömungstauchen lautet: Denken Sie an die optimale Stromlinienform. Eine starke Strömung ist in der Lage, die Tauchmaske vom Gesicht und den Atemregler aus dem Mund zu reißen. Um eine optimale Stromlinienform zu gewährleisten, müssen Ausrüstungsteile wie Schnorchel, Lampen, Oktopus oder Kamera möglichst eng am Körper anliegen. Zusätzlich sollte der Taucher eine gute horizontale Körperhaltung aufweisen. Wer das Tarierjacket stark aufpumpt und eine aufrechte Position einnimmt, bietet eine große Angriffsfläche und wird unkontrolliert von der Strömung weggedrückt.

7. Die neutrale Tarierung

Erfahrene Taucher sind stets in der Lage, sich neutral zu tarieren. Dadurch gestaltet sich ein Tauchgang nicht nur sicherer, sondern schont auch die Unterwasserwelt. Aufgrund der höheren Geschwindigkeit beim Strömungstauchen ist es bedeutend schwieriger, Kollisionen mit dem Riff zu vermeiden. Neutral austariert können sich Taucher entspannt von der Strömung mitziehen lassen, ohne dauernd gegensteuern zu müssen. Eine Tarierung über die Lunge ermöglicht kleinere Anpassungen der Tauchtiefe.

Weitere Tipps zum Thema „Tarierung in Perfektion“ in diesem Artikel:

Tipps für eine bessere Tarierung beim Tauchen




8. Eine Boje mit Reel verwenden

Beim Strömungstauchen im offenen Meer besteht die große Gefahr, dass man abgetrieben wird. Eine starke Strömung und ein hoher Wellengang führen manchmal sogar dazu, dass die Bootscrew einen Taucher nicht mehr wiederfindet. Das Risiko, verloren zu gehen, darf beim Strömungstauchen auf keinen Fall unterschätzt werden.

Wer einen Strömungstauchgang im Meer unternimmt, sollte deshalb unbedingt eine Boje mit einer professionellen Reel mitführen. Verliert ein Taucher seinen Buddy aus den Augen, kann er die Boje auch aus größerer Tiefe abschießen und dann zur Wasseroberfläche aufsteigen. Anhand der Signalboje kann die Bootsbesatzung leicht verfolgen, wohin jemand abgetrieben wird. Eine herkömmliche Boje an einer fünf bis acht Meter langen Schnur, die von vielen Sporttauchern verwendet wird, reicht zu diesem Zweck nicht aus. Bei Strömungstauchgängen im Blauwasser kann man auch die ganze Zeit mit Signalboje tauchen.

9. Bei Problemen den Tauchgang sofort abbrechen

Das Wichtigste bei jedem Tauchgang ist, dass man sich sicher fühlt und Spaß hat. Beim Strömungstauchen kann es leicht passieren, dass alles anders abläuft, als es ursprünglich geplant war. Anfänger werden dadurch oft verunsichert oder fühlen sich überfordert. In diesem Fall sollte man einfach den Tauchgang abbrechen. Gemeinsam mit seinem Buddy entfernt man sich vom Korallenriff, setzt die Signalboje und kehrt langsam zur Wasseroberfläche zurück.

10. Die Strömung für sich nutzen

In den meisten Fällen wird beim Drift Diving mit der Strömung getaucht. Nur wenn man einen bestimmten Punkt am Riff erreichen will, ist es unter Umständen sinnvoll, ein Stück gegen die Meeresströmung zu schwimmen. Es ergibt jedoch keinen Sinn, sich um jeden Preis vorwärts kämpfen zu wollen. Dadurch ermüdet man schnell und verbraucht zu viel Atemgas. Intelligente Taucher profitieren von den Bedingungen unter Wasser und nutzen sie zu ihrem Vorteil.

11. Strömungsschatten suchen

Um beim Strömungstauchen längere Zeit an einer Stelle zu bleiben, sollte man Strömungsschatten suchen. Das sind Punkte im Riff, an denen keine oder kaum Strömung auftritt. Häufig findet man sie hinter großen Korallenblöcken oder an Riffkanten. Es gibt jedoch noch weitere Strömungsschatten, die nicht so einfach zu finden sind.

Fischschwärme geben gute Hinweise auf die Strömungsbedingungen. Schwimmen die Fische ungeordnet durcheinander, herrscht an dieser Stelle nur eine geringe Strömung. Auch Fächer- oder Weichkorallen zeigen die Strömungsverhältnisse an. Bewegen sie sich gar nicht oder schwingen sanft hin und her, befinden sie sich in einem Strömungsschatten. Sind sie hingegen deutlich zur Seite geneigt, herrscht dort eine starke Strömung. Schlechtere Schwimmer wie Koffer- oder Kugelfische weisen ebenfalls auf mögliche Strömungsschatten hin. Wo sie sich aufhalten, ist in der Regel nur eine geringe Strömung vorhanden.

12. Öfter auf den Finimeter schauen

Die Meeresströmung verläuft nicht immer exakt horizontal. Deshalb sollte man während des Tauchgangs immer wieder auf seinen Finimeter achten. Besonders Einsteigern kann es sonst passieren, dass für einen sicheren Aufstieg nicht mehr genügend Atemgas vorhanden ist.

13. Dicht am Riff tauchen

Bei starken Strömungen ist es sinnvoll, nahe am Riff zu tauchen. Durch Hindernisse wie Korallen oder kleinere Felsen wird die Meeresströmung verwirbelt und schwächt sich dadurch ab. Selbstverständlich sollte man darauf achten, das Riff nicht versehentlich zu beschädigen.

14. Keine Panik beim Strömungstauchen

Besonders Einsteiger kann plötzlich ein komisches Gefühl überkommen, wenn sie von einer starken Strömung fortgetragen werden oder trotz Flossenschlag nicht von der Stelle kommen. Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu geraten. Strömungen verändern sich, sie sind niemals konstant. Eine starke Strömung, die durch den Wellengang an einer Riffwand entsteht, schwächt sich bereits nach kurzer Zeit ab.

15. Nicht außer Atem geraten

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass Taucher ein paar Meter gegen die Strömung anschwimmen müssen. Wichtig ist, dass man dabei auf keinen Fall außer Atem gerät. Durch das schnellere Atmen wird nicht nur sehr viel mehr Atemgas verbraucht. Das zusätzlich eingeatmete Kohlendioxid sammelt sich im Körper an und wird nicht mehr in ausreichender Menge ausgeschieden. Aufgrund des höheren Drucks in der Tiefe kann es dadurch zum Essoufflement mit Kopfschmerzen, Schwindel und sogar zur Bewusstlosigkeit kommen. Deshalb sollte man sich alle paar Meter in einem Strömungsschatten ausruhen, bevor man weiter gegen die Strömung ankämpft. Taucht man nicht am Riff, kann es sinnvoll sein, nur die Position zu halten, anstatt gegen die Strömung zu schwimmen. Hilft das alles nicht weiter und man merkt, dass man außer Atem gerät, wird der Tauchgang kontrolliert abgebrochen.




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