Neues Forschungsprojekt am Leibniz-Zentrum

Offenes Aquakultur-Gehege vor Bolinao Philippinen
Die Nachfrage an Fisch und Meeresfrüchten steigt kontinuierlich an. Foto: © Hans-Peter Grossart

Folgen der Aquakultur in den Tropen: Rund eine Million Euro für neues Forschungsprojekt am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie

Die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Aquakultur auf tropische Küstenökosysteme und den Menschen stehen im Fokus eines neuen Verbundprojekts des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT). Mit rund einer Million Euro finanziert die Leibniz-Gemeinschaft das Projekt ACUTE*, das von Dr. Astrid Gärdes, Leiterin der Nachwuchsgruppe „Tropische Marine Mikrobiologie“, koordiniert wird. Das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren vereint Ökologen, Mikrobiologen, Biogeochemiker und Sozialwissenschaftler aus Deutschland, Indonesien und den Philippinen. Zur Auftaktkonferenz trafen sich die Forschungspartner jetzt an der Universität der Philippinen in Manila.

Die Nachfrage an Fisch und Meeresfrüchten steigt kontinuierlich an

Die wachsende Nachfrage an Fisch und Meeresfrüchten übersteigt derzeit bei weitem die Produktionskapazität natürlicher Gewässer. Weltweit werden heute etwa 70 Millionen Tonnen Erzeugnisse aus der Aquakultur vermarktet. In vielen tropischen Ländern insbesondere des südostasiatischen Raumes stellen sie eine wertvolle Quelle für Devisen und Beschäftigung dar.

Die Branche kämpft jedoch mit etlichen ökologischen Problemen. Der steigende Bedarf an Aquakulturprodukten und großer Konkurrenzdruck veranlassen viele Fischbauern, die Haltung zu intensivieren. Überschüssige Nährstoffe und Fäkalien in den Teichen führen zu Algenblüten, in vielen Gehegen ist die Konzentration an Bakterien und Parasiten extrem hoch. Die Zugabe von Hormonen und Medikamenten an die Zuchtbestände belasten das Wasser zusätzlich.

Offenes Aquakultur-Gehege vor Bolinao Philippinen

Offenes Aquakultur-Gehege vor Bolinao, Philippinen. Fotos: © Hans-Peter Grossart

Korallenriffe und Seegraswiesen leiden unter schädlichen Keime und Stoffe

Insbesondere aus offenen Netzgehegen an den Küsten gelangen die schädlichen Keime und Stoffe und der Überschuss an organischem Material ins freie Meerwasser. Darunter leiden nicht nur benachbarte Aquakulturanlagen, sondern auch die angrenzenden Küstenökosysteme wie Korallenriffe und Seegraswiesen, was zu erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Schäden führen kann.

„Für die Menschen und ihre Gesundheit stellen vor allem dicht mit Keimen beladene organische Partikel eine große Gefahr dar, da diese von Fischen, Muscheln und anderen Meerestieren gefressen werden und so in die Nahrungskette gelangen“, erklärt Dr. Astrid Gärdes. Mit ihrem Forschungsprojekt verfolgt sie daher einen multidisziplinären Ansatz, der den gesamten ökologischen und sozio-ökonomischen Kontext tropischer Aquakultur berücksichtigt und dabei helfen soll, die aktuellen Aquakulturpraktiken in tropischen Ländern zu verbessern. „Die Ergebnisse werden Voraussetzungen schaffen, um geeignete Managementstrategien zu entwickeln und die Risiken zu bewerten, die die Küstenbewohner und ihre Lebensgrundlagen bedrohen“, so die Mikrobiologin.

Das Verbundprojekt ACUTE hat eine Laufzeit von drei Jahren. Es wird von der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs unterstützt. Der Wettbewerb wird anhand von Kriterien durchgeführt, die mit Blick auf die Ziele des Paktes für Forschung und Innovation entwickelt wurden. Er ist ein wichtiges strategisches Instrument zur Förderung herausragender Forschungs-, Dienstleistungs- und Transfervorhaben der Einrichtungen, die Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft sind.

*ACUTE
AquaCUulture practice in Tropical coastal Ecosystems – understanding ecological and socio-economic consequences

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