Walhai

Sind Walhaie gefährlich?

Walhaie sind sanftmütige Planktonfresser. Foto: © Andrea Izzotti

Der Walhai

Walhaie sind die größten Fische auf unserem Planeten. Der Name ist allerdings irreführend: Abstammungsgeschichtlich ist der Walhai nicht mit den Walen verwandt, er zählt zur Gruppe der mehr als 500 Haiarten. Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten mit den gigantischen Säugetieren. Walhaie sind wesentlich größer als gewöhnliche Haie und ernähren sich überwiegend von Plankton.

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Wissenswertes über den Walhai

Die Familie der Walhaie (Rhincodon typus) gehört der Ordnung der Ammenhaiartigen an. Die Tiere haben eine durchschnittliche Körperlänge von knapp 10 Metern. Männliche Walhaie sind etwas kleiner als die Weibchen. Das größte, jemals vermessene Exemplar war 12,65 Meter lang und hatte ein Gewicht von 21,5 Tonnen. Der Rücken der Tiere weist eine gräuliche oder bräunliche Grundfärbung auf und ist übersät mit hellen Flecken und Streifen. Die dabei gebildeten Muster sind einzigartig, ähnlich wie bei einem menschlichen Fingerabdruck. Walhaie besitzen jeweils zwei Rücken-, Brust- und Afterflossen. Mit einer Dicke von 10 bis 15 Zentimetern verfügen die Tiere über die dickste Haut aller Fische. Temperaturunterschiede bis zu 30 Grad können sie deshalb problemlos aushalten. Trotz seiner beeindruckenden Größe ist der Walhai vollkommen harmlos. Da durch die Kraft und Größe der Tiere Unfälle auftreten können, sollten sich Unterwasserfotografen trotzdem nicht zu nah an die sanften Riesen heranwagen. Junge Haie sind sehr neugierig und spielen manchmal sogar mit den Tauchern.

Walhai Steckbrief

Die Muster der hellen Flecken und Streifen sind einzigartig, ähnlich wie bei einem menschlichen Fingerabdruck.
Foto: © Andrea Izzotti

Walhai: Ihr Lebensraum

Um hohe Geschwindigkeiten im Wasser zu erreichen, schlagen die meisten Haiarten ihre Schwanzflosse kraftvoll hin und her. Beim Walhai ist die Fortbewegungsmethode eine andere: Langsam dreht er seinen ganzen Körper abwechselnd nach rechts und nach links. Mit dieser Schwimmtechnik kann er sich nicht besonders schnell fortbewegen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa fünf Stundenkilometer. Meistens halten sich die Kolosse der Meere nahe an der Wasseroberfläche auf. Sie können allerdings in Tiefen von mehr als einem Kilometer abtauchen. Walhaie sind auf der ganzen Welt in tropischen und warmen Meeren zu finden. Einige der Tiere wurden in kühleren Gewässern entdeckt, unter anderem vor der Küste von New York. Nach Angaben der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) leben drei Viertel aller Walhaie im Indischen und im Pazifischen Ozean, während 25 Prozent der friedlichen Riesenfische im Atlantik beheimatet sind. Mit etwas Glück treffen Taucher auch im Roten Meer auf jüngere Vertreter dieser Spezies.

Walhaie sind sanftmütige Planktonfresser

Im Gegensatz zu anderen Haien jagen Walhaie keine Beutetiere, sie filtern ihr Futter aus dem Meerwasser heraus. Ganz oben auf der Speisekarte stehen Plankton und Fischeier. Die Tiere verschmähen aber auch Tintenfische, Krebstiere, Garnelen, Quallen, Sardinen, Makrelen oder Thunfische nicht. Im Gegensatz zu den Walen nimmt der Walhai seine Nahrung aktiv auf. Dazu positioniert er sich meistens senkrecht im Wasser mit dem Kopf in Richtung Wasseroberfläche. Während er in einen Krill- oder Fischschwarm hineinschwimmt, öffnet er sein riesiges Maul und bewegt den Kopf schaukelnd hin und her. Dabei saugt der Hai bis zu 6.000 Liter Meerwasser pro Stunde an, die er sofort durch seine Kiemen wieder herauspresst. Von Zeit zu Zeit schließt der Riesenfisch sein Maul und schluckt die angesammelte Beute herunter. Neben dem Riesenmaulhai und dem Riesenhai ist der Walhai die dritte Haispezies, die sich der „Filtertechnik“ zur Nahrungsaufnahme bedient.

Obwohl Walhaie Einzelgänger sind, teilen sie häufig Nahrungsgebiete mit ihren Artgenossen. Auf der Suche nach Futter legen sie zum Teil große Entfernungen zurück. Im Frühjahr 2011 versammelten sich 420 der sanften Riesen vor der mexikanischen Küste der Halbinsel Yucatán. Untersuchungen des Smithsonian Conservation Biology Institute (SCBI) ergaben, dass es für dieses Zusammentreffen, die sogenannte „Afuera aggregation“, nur einen Grund gab: riesige Mengen an Fisch und Fischlarven. Ganze Walhai-Familien waren dem Ruf der Natur gefolgt und hatten sich zum Festschmaus eingefunden.

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Fortpflanzung der Walhaie

Weder die Paarung noch die Fortpflanzung von Walhaien konnte jemals in freier Natur beobachtet werden. Als im Juli 1996 ein trächtiges Weibchen gefangen wurde, entdeckten die Fischer im Bauch rund 300 Nachkommen. Dieser Fund weist darauf hin, dass die Fortpflanzung ovovivipar erfolgt. Die Embryonen wachsen im Mutterleib in Eiern heran, bis sie in der Gebärmutter schlüpfen. Anschließend entwickeln sich die Jungtiere noch einige Zeit weiter, bevor sie freigesetzt werden. Bei der Geburt haben sie eine Größe von 40 bis 60 Zentimetern.

Einige Meeresbiologen nehmen an, dass nicht der ganze Nachwuchs gleichzeitig geboren wird. Weibliche Walhaie produzieren vermutlich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich Eier und befruchten sie selbst mit dem Samen eines Männchens aus einer vorherigen Paarung. Die Entwicklung vom Embryo bis zum geschlechtsreifen Tier dauert zwischen 25 und 30 Jahre. Wissenschaftler schätzen die voraussichtliche Lebenserwartung auf 70 bis 100 Jahre.

Walhai gefährlich

Die Fortpflanzung von Walhaien konnte bisher noch nie in freier Natur beobachtet werden.
Foto: © Andrea Izzotti

Der größte Feind des Walhais ist der Mensch

Killerwale sind die einzigen natürlichen Feinde der Walhaie. Sie stellen allerdings nur für Jungtiere eine echte Bedrohung dar. Aufgrund ihrer Größe und der langsamen Fortbewegung lassen sich Walhaie relativ leicht von Fischern fangen. In verschiedenen Gegenden der Welt werden die Tiere deshalb kommerziell bejagt und erzielen auf asiatischen Märkten hohe Preise. Die Nachfrage nach Walhaifleisch, Haifischflossen sowie Fischöl ist groß. Eine einzelne Brustflosse kostet bis zu 20.000 Dollar, ein komplettes Exemplar hat einen Gesamtwert von etwa 250.000 Dollar. Die IUCN führt Walhaie in ihrer Roten Liste bedrohter Arten als gefährdet (vulnerable). Die Populationen im Indopazifik haben sich in den letzten 75 Jahren um rund zwei Drittel vermindert. Im Atlantik gingen die Bestände in dieser Zeit um etwa 30 Prozent zurück.

Neben der Verwendung als Speisefisch in asiatischen Ländern gibt es zusätzlich eine zweifelhafte Anwendung in der alternativen Medizin. Da bösartige Tumore bei Walhaien nicht vorkommen, wird getrockneter Haifischknorpel als „Anti-Krebsmittel“ verkauft und sogar in Europa angeboten. Das ist ungefähr so sinnvoll wie der ehemalige Brauch von Kopfjägern in den Regenwäldern des Amazonasbeckens, die Trophäen (Tsantsas) aus den Köpfen ihrer getöteten Feinde herstellten. Durch das Tragen dieser Schrumpfköpfe sollte die Lebenskraft des Toten auf den Jäger übergehen.

Video: Walhaie – Dokumentation (Empfehlung)

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