Bakterien-Taucher im Auftrag der Wissenschaft

Taucher bei Proben nehmen

Taucher nehmen freischwebend Proben ohne das Ökosystem zu beschädigen. Foto: © Christian Jogler/DSMZ

Bakterien-Taucher – die neue Arbeitsgruppe am Leibniz-Institut DSMZ

Das Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig hat eine neue Arbeitsgruppe wissenschaftlicher Taucher ins Leben gerufen. Das CMAS-zertifizierte Team wird zukünftig Bakterien und andere Mikroorganismen, die bisher für die Forschung unzugänglich waren, in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten. Das wichtigste Ziel der Bakterien-Taucher besteht dabei in der Entdeckung neuer Wirkstoffe für die pharmazeutische Industrie.

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Wissenschaftliche Bakterien-Taucher am Leibniz-Institut DSMZ

Die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (DSMZ) ist weltweit eine der größten Zentren für Bioressourcen. Insgesamt wurden bisher mehr als 40000 Kulturen von Bakterien, Pilzstämmen sowie menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zelllinien angelegt. Eine der Hauptaufgaben des Leibniz-Instituts DSMZ besteht darin, neue Mikroorganismen aufzuspüren und zu erforschen.

Die Idee, eine Arbeitsgruppe wissenschaftlicher Taucher zu gründen, stammt von dem DSMZ-Nachwuchsgruppenleiter Dr. Christian Jogler. Das Team besteht aus vier erfahrenen Mikrobiologen, die zusätzlich als Taucher nach den Standards des Welttauchverbands CMAS ausgebildet sind. Neben strikten Sicherheitsvorgaben bei den Tauchgängen legt der Gruppenleiter besonderen Wert auf eine flexible und umweltschonende Arbeitsweise seines Teams. „Wir sind speziell ausgebildet, um die Eingriffe in die empfindlichen Unterwasserlebensräume durch das Tauchen so gering wie möglich zu halten“, so Jogler.

Riesentang mit Schwimmkörpern in der Bucht von MontereyRiesentang mit Schwimmkörpern in der Bucht von Monterey (Kalifornien). Foto: © Christian Jogler/DSMZ

Expedition der Bakterien-Taucher in die Tangwälder Kaliforniens

Das neueste Projekt der Arbeitsgruppe um Dr. Jogler ist die Erforschung der kalifornischen Tangwälder in der Bucht von Monterey. Gemeinsam mit der DSMZ-Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Anne-Kristin Kaster ist eine Tauchexpedition in die einzigartige Unterwasserwelt einhundert Kilometer südlich von San Francisco geplant. Da sie einen vielfältigen Artenreichtum aufweisen, werden Tangwälder auch als die Regenwälder der Meere bezeichnet. Im Gegensatz zu der bereits gut erforschten Pflanzen- und Tierwelt sind die Mikroorganismen des Biotops noch weitgehend unbekannt. „Genau hier wollen wir ansetzen“, erklärt Dr. Kaster. „Die Tangwälder sind aus mikrobiologischer Sicht eine riesige, noch unerforschte Schatzkiste. Hier liegt ein enormes Potenzial mikrobieller Funktionen versteckt.“

Die wichtigste Aufgabe der Bakterien-Taucher des Leibniz-Instituts DSMZ liegt dabei im Aufspüren von Mikroorganismen, die in der Lage sind, neue medizinische Wirkstoffe herzustellen. Die Forscher konnten in einer Pilotstudie bereits zeigen, dass in Tangwäldern sogenannte Planktomyceten heimisch sind. Diese Gruppe von Meeresbakterien produziert Stoffwechselprodukte mit antimikrobieller Wirkung. Sie könnten als Grundstoff neuer Antibiotika Anwendungen in der pharmazeutischen Industrie finden. Wichtig ist dabei, dass zunächst das genaue Zusammenspiel zwischen den einzelnen Mikrobenarten und den Tangwäldern wissenschaftlich erforscht wird. Jogler und Kaster haben bereits öffentliche Fördermittel zur Finanzierung der Tauchexpedition beantragt. Sie sind davon überzeugt, dass die systematische Erforschung von Tangwäldern zukünftig einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung moderner Medikamente leisten wird.

Quelle: www.dsmz.de/de/start

 

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