Expedition Siebenkiemerhai in Südafrika

Jungen Helfern aus vielen Ländern der Welt

Jungen Helfern aus vielen Ländern der Welt. Foto: © Dmitry Sharomov

Organisation Shark Spotters erforscht südafrikanisches Haivorkommen

Die Regierung Südafrikas plant, 22 neue Meeresschutzgebiete vor allem an der Westküste des Landes einzurichten. Ein wichtiges Entscheidungskriterium stellt der Nachweis bestimmter Meerestiere in diesen Regionen dar. Die Organisation Shark Spotters untersucht aus diesem Grund das Vorkommen von Haiarten in den Gewässern vor der Küste Südafrikas. Während ihrer viertägigen Forschungsreise auf dem Segelschiff Pangaea macht sich die Wissenschaftlerin Dr. Allison Kock auf die Suche nach dem Siebenkiemerhai. Es handelt sich dabei um die weltweit erste Forschungsexpedition dieser Art. Neben dem bekannten Extremsportler Mike Horn sind 12 junge Studenten als freiwillige Helfer mit von der Partie. Dem internationalen Team ist es gelungen, insgesamt 15 Siebenkiemerhaie mit akustischen Transpondern zu markieren. Die Aufenthaltsorte dieser beeindruckenden Tiere werden an ein Forschungslabor in Kapstadt gesendet und dort ausgewertet (Bericht vom 29.09.2016: Hai-Expedition in Südafrika).

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Shark Spotters markiert Siebenkiemerhaie mit GPS-Sendern

„Shark! We got another shark“, ertönt es um 22.38 Uhr an Bord des Segelschiffes Pangaea etwa 20 Seemeilen vor der Westküste Südafrikas. Seit drei Tagen ist das internationale Team um den Abenteurer Mike Horn und die Forscherin Dr. Allison Kock auf See und markiert Siebenkiemerhaie mit akustischen Transpondern. Die bis zu zweieinhalb Meter großen Tiere werden mithilfe von Fischködern angelockt, dann an Bord gebracht und innerhalb von fünfzehn bis zwanzig Minuten mit einem Transponder versehen. Bei dem Prozess, bei dem das Tier konstant mit Wasser versorgt wird, werden außerdem Blut- und Gewebeproben entnommen.

Nach kurzer Zeit wird der Hai wieder ins Wasser gegeben und schwimmt davon. Für die nächsten sieben Jahre schickt der Transponder in seinem Bauch alle paar Minuten ein GPS-Signal an ein Labor in Kapstadt, wo die Daten aufgezeichnet und ausgewertet werden. „Wir hoffen, anhand dieser Daten neue Erkenntnisse über die Schwimmmuster und Aufenthaltsorte von Siebenkiemerhaien in Südafrika zu gewinnen“, erklärt Dr. Allison Kock von der Organisation Shark Spotters. Wenn mehr über die Verhaltensweisen von Haien bekannt ist, kann man die Tiere besser schützen und die Strände für Surfer und Schwimmer absperren.

Siebenkiemerhai

Foto: © Dmitry Sharomov

Siebenkiemerhaie

Foto: © Dmitry Sharomov

Haiforschungsprojekt mit jungen Helfern aus vielen Ländern der Welt

Mit an Bord des Schiffes sind 12 junge Erwachsene aus der ganzen Welt. Sie haben die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen. Gemeinsam mit den erfahrenen Wissenschaftlern holen sie die Haie an Deck und helfen mit, den Transponder einzusetzen. Der 24-jährige Felix Hsu aus China ist vollkommen begeistert: „Den Hai festzuhalten, erfordert einiges an Kraft! Aber es ist ein einzigartiges Gefühl, ein Tier anzufassen, das in den Nachrichten konstant als blutrünstiges Monster dargestellt wird. Wir machen hier eine völlig neue Erfahrung. Wir haben überhaupt nichts von den Haien zu befürchten, solange wir uns ihrer Kraft bewusst sind und uns respektvoll und vorsichtig verhalten.“

Neben der wissenschaftlichen Datenerhebung steht das Verhältnis von Hai und Mensch im Vordergrund des Projekts. Die Gruppe möchte bestehende Vorurteile aus der Welt schaffen und die Menschen dafür sensibilisieren, dass Haie nicht gefährlicher als andere Tiere sind. „Es ist der Mensch, der in den Lebensraum des Hais eindringt. Es liegt deshalb an uns, dass wir uns respektvoll verhalten und den Hai nicht provozieren“, erklärt die 23-jährige Peruanerin Andrea Lavarello. „Viel zu oft lesen wir nur negative Schlagzeilen über Haie. Dass es sich dabei jedoch um faszinierende Tiere handelt, die eine wichtige Rolle im Ökosystem der Meere spielen, wird oft vernachlässigt.“

Vermessung eines Siebenkiemerhais

Vermessung eines Siebenkiemerhai. Foto: © Dmitry Sharomov

Siebenkiemerhaie mit GPS-Sendern

Zurück ins Meer, nachdem der Siebenkiemerhai mit einem GPS-Sender markiert wurde. Foto: © Dmitry Sharomov

Haie sind keine gefährlichen Bestien

Am Ende des zweiten Tages auf der Pangaea springen die Teilnehmer von der Reling ins Wasser. Die 22-jährige Südafrikanerin Lani van Niekerk weiß, dass noch eine Stunde zuvor ein zweieinhalb Meter langer Hai an Bord war und sich vielleicht noch in der Nähe befindet. Angst hat sie trotzdem nicht: „Warum auch? Ich habe erst vorhin mitgeholfen, den Hai festzuhalten. Mir ist dabei klar geworden, dass er nicht gefährlicher ist als jedes andere Tier. Natürlich gibt es Unfälle mit Haien. Diese passieren aber nicht, weil der Hai es auf den Menschen abgesehen hat, sondern weil er ihn mit einer Robbe verwechselt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns im Lebensraum von Haien aufhalten. Wenn wir wissen, worauf wir achten und was wir vermeiden sollten, brauchen wir keine Angst zu haben.“

Abtauchen mit Haien

Abtauchen mit Haien. Foto: © Dmitry Sharomov

Tauchen in der Shark Alley

Und wer doch noch ein mulmiges Gefühl hat, vergisst das beim Tauchgang in der sagenumwobenen Shark Alley sehr schnell. „Mir war schon ein bisschen unwohl. Allein der Name Shark Alley verspricht ja so einiges“, erzählt die 21-jährige Shaya Laughlin aus Australien. Als die Gruppe dann aber in einen Wald aus Seetang und Algen abtaucht, ist die Angst schnell vergessen. Zu faszinierend ist die Unterwasserwelt, wo sich die Pflanzen in der Strömung langsam hin und her bewegen. Es wirkt wie in einer anderen Welt. Leider sehen nicht alle den Hai, der nur ein paar Meter entfernt durch das Gewirr des Seetangs schwimmt. Aber allein die Tatsache, dass es hier Haie gibt, ist ein tolles Erlebnis. Mike Horn betont immer wieder: „Wir müssen uns unseren Ängsten stellen. Nur so können wir selbst wachsen. Dadurch merken wir, dass viele unserer Ängste völlig unbegründet sind.“

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