Umfrage: Überwältigende Mehrheit in Deutschland und England lehnt Islands Walfang ab

Minke Whale Gremm
Foto: © Gremm

München/Berlin/London, 9. September 2014. Einer neuen Umfrage zufolge lehnen neun von zehn Bürgern in Deutschland und England die Entscheidung Islands, wieder Walfang zu betreiben, ab. Eine überwältigende Mehrheit, wie die Auftraggeber der Umfrage, die Artenschutzorganisationen Animal Welfare Institut, Environmental Investigation Agency, Humane Society International, OceanCare, Pro Wildlife, und Whale and Dolphin Conservation, betonen.




Angesichts der alarmierend reduzierten Walbestände beschloss die Internationale Walfangkommission (IWC) 1982 ein weltweites kommerzielles Walfang-Moratorium, das 1986 in Kraft trat. Dennoch nahm Island 2003 die Jagd auf die Meeresriesen wieder auf, zunächst Zwergwale unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“, seit 2006 ganz offen mit kommerzieller Absicht auch die bedrohten Finnwale.

Die Walfangsaison 2014 ist noch nicht zu Ende, doch sind bereits über 100 Finn- und 22 Zwergwale getötet worden – damit starben seit 2003 mehr als 1.000 Wale durch isländische Harpunen. Unter Missachtung des internationalen Handelsverbotes durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl. CITES) hat Island zudem tausende Tonnen Walfleisch und -Speck exportiert, fast ausschließlich nach Japan.

Ergebnisse der ORC-Umfrage ist eindeutig

Die Ergebnisse der Umfrage, durchgeführt Ende Juli durch das englische Meinungsforschungsinstitut ORC International, werden im Vorfeld der IWC-Walfangtagung veröffentlicht, die vom 15. bis 18. September in Portorož, Slowenien, stattfindet.

Die Umfrageteilnehmer wurden auch zu ihrem Kaufverhalten von Fisch befragt, der von isländischen Firmen stammt, die mit dem Walfang vernetzt sind. Vier von fünf der Befragten antworteten, es sei unwahrscheinlich, dass sie solchen Fisch kaufen würden, für mehr als die Hälfte von ihnen ist es gar äußerst unwahrscheinlich. In beiden Ländern fiel die Antwort bei Frauen noch deutlicher aus als bei Männern.

“88 Prozent der Frauen und 83 Prozent der Männer in Deutschland und England gaben an, dass sie eher keine Fischprodukte kaufen würden, die mit Walfangfirmen in Verbindung stehen. Diese Zahlen sollten besonders einigen großen deutschen Supermärkten zu denken geben. Kritisiert werden diese momentan stark für ihre Geschäfte mit Islands größter Fischereifirma HB Grandi, die eng mit dem Walfang verbunden ist“, sagt Astrid Fuchs, Kampagnenleiterin bei WDC.

Im Gegensatz zur Imageschädigung Islands durch den Walfang profitiert die lokale Wirtschaft von einem verantwortlich betriebenen Waltourismus. Nach Schätzungen von IceWhale, dem Verband isländischer Walbeobachtungsunternehmen, haben 2013 etwa 201.000 Menschen an Whale Watching Touren vor Island teilgenommen und damit erheblichen Gewinn gebracht. „Die Regierung in Reykjavik riskiert hohe wirtschaftliche Einbußen für ihr Land, wenn sie den Interessen weniger einflussreicher Walfänger nachgibt – denn wohl kaum ein Tourist möchte in seinem Urlaub Augenzeuge der blutigen Waljagd werden“, betont Dr. Sandra Altherr, Walexpertin von Pro Wildlife in München.

„Walfang hat in einer modernen Welt keinen Platz“

Der ORC-Umfrage zufolge wollen mindestens 60 Prozent in England und 70 Prozent in Deutschland bei einer Island-Reise eine Walbeobachtungstour mitmachen. Über 85 Prozent würden jedoch kein Walfleisch in isländischen Restaurants oder Supermärkten kaufen.

Dr. Kitty Block, Vizepräsidentin der Humane Society International (HSI) sagt: “Walfang hat in einer modernen Welt keinen Platz, und Island fällt gegenüber der Mehrheit von Ländern aus der Rolle, die Wale streng geschützt sehen möchten. Es ignoriert beharrlich internationale Gesetze und unterminiert Entscheidungen internationaler Konventionen, die Wale gegen kommerzielle Abschlachtung und Handel schützen wollen. Wale haben eine hohe Lebenserwartung und viele Bestände erholen sich nur langsam von der erbarmungslosen Jagd vergangener Jahrhunderte. Es ist völlig skrupellos, dass Island diese Tiere auch weiterhin jagt, nur um ihr Fleisch in trendigen Restaurants und Geschäften zu verkaufen.“

“Wir fordern die IWC-Mitgliedsstaaten auf, Islands grausame Walfangindustrie scharf zu verurteilen und alle diplomatischen Schritte zu nutzen, um sicherzustellen, dass Island künftig sowohl das Walfangmoratorium als auch das Handelsverbot einhält“, so Susan Millward, Geschäftsführerin des Animal Welfare Institutes (USA). „Wie die Umfrageergebnisse eindeutig zeigen, haben Bemühungen, Islands Sabotieren internationaler Walschutzmaßnahmen zu beenden, die breite Unterstützung der Öffentlichkeit.“

Hintergrundinformationen

  1. Die Umfrage wurde von ORC International in Deutschland und England durchgeführt. In England erfolgte vom 2.-30. Juli eine online-Befragung unter 1001 Erwachsenen (500 Männer, 501 Frauen, Mindestalter 18 Jahre). In Deutschland wurden zeitgleich 1.000 Erwachsene (501 Männer, 499 Frauen, ebenfalls mindestens 18 Jahre alt) befragt. Die Interviews wurden in beiden Fällen nach drei Kriterien ausgewählt: Alter, Geschlecht und  Region, um seriöse und repräsentative Ergebnisse aus beiden Ländern zu bekommen. Die vollständigen Umfrageergebnisse erhalten Sie hier (PDF/Englisch).
  2. Das kommerzielle Moratorium der Internationalen Walfangkommission trat 1986 in Kraft. Daraufhin verließ Island, eine der führenden Walfangnationen, 1991 die IWC 1991 unter Protest, trat 2002 jedoch mit einem umstrittenen Vorbehalt wieder bei, wodurch es formal nicht mehr an das Moratorium gebunden ist. Bereits 2003 begann der Inselstaat mit „Wissenschaftswalfang“, 2006 offiziell zu kommerziellen Zwecken. Bis Ende 2013 starben in Island 414 Finn- und 531 Zwergwale. Finnwale sind von der IUCN als bedroht eingestuft und sowohl Finn- als auch Zwergwale (mit Ausnahme des Zwergwalbestandes vor Westgrönland) sind in Anhang I von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) gelistet. Als Island im Jahr 2000 CITES beitrat, meldete es auch einen Vorbehalt gegen die Anhang I-Listung der meisten Großwale an und ist somit auch gegen das internationale Handelsverbot formal nicht gebunden.

Weitere Informationen:
WDC, Whale and Dolphin Conservation GmbH
Implerstraße 55
81371 München
Tel: +49 (0)89 6100 2393
Fax: +49 (0)89 6100 2394
E-Mail: kontakt@whales.org
Web: www.wdcs-de.org




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