Der Buddy-Check vor dem Tauchen – die wichtigsten Regeln und Tipps

Der Buddy-Check ist eine wichtige Überprüfung vor jedem Tauchgang. Foto: © Jag_cz - Fotolia.com

Wie wird der Buddy-Check richtig durchgeführt?

Der Buddy-Check ist eine wichtige Überprüfung vor jedem Tauchgang. Er stellt nicht nur sicher, dass alles ordnungsgemäß funktioniert, man lernt auf diese Weise auch die Ausrüstungsteile seines Buddies genau kennen. Einige Taucher verzichten aus Bequemlichkeit oder Unentschlossenheit auf diese wichtige Prozedur und gehen dadurch unnötige Risiken ein. Die folgenden Hinweise sollen dabei helfen, den Buddy-Check richtig durchzuführen.




Der Buddy-Check wird oft als lästig empfunden

Besonders erfahrene Taucher haben zum Buddy-Check ihre eigenen Vorstellungen. Manche sind überhaupt nicht begeistert, wenn sie auf dieses Thema angesprochen werden. Viele müssen von ihrem Tauchpartner geradezu überredet werden, obwohl dieser auch keine wirkliche Lust darauf hat. Jeder verantwortungsvolle Taucher überprüft ohnehin vor jedem Tauchgang seine Ausrüstung und sieht nicht unbedingt ein, warum jetzt auch noch der Buddy einem auf die Pelle rückt. Bei der Vorbereitung der Tauchgruppe fällt es überhaupt nicht auf, wenn einige Taucher auf den Buddy-Check verzichten. Der Gruppendruck kann bei diesem Thema ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Es heißt: Die meisten Tauchunfälle sind vermeidbar, wenn vor jedem Tauchgang ein Buddy-Check durchgeführt wird. Jeder Taucher ist sich darüber im Klaren, dass diese Prozedur die Sicherheit erhöht. Sie erfordert nur wenig Aufwand und ist rasch erledigt. Wer nicht regelmäßig diesen Check durchführt, ist häufig unsicher und fragt sich, was überprüft werden soll beziehungsweise in welcher Reihenfolge.

Warum ist ein Buddy-Check sinnvoll?

Niemand ist unfehlbar. Besonders bei Routinehandgriffen besteht die Gefahr, dass man in einen starren Automatismus verfällt und die Konzentration nachlässt. Ein kleines Ausrüstungsproblem kann der Grund für einen Tauchunfall sein. Der Buddy-Check dient aber nicht nur der Sicherheit des Tauchpartners, sondern ist auch ein Selbstschutz.

Buddy-Check vor jedem Tauchgang

Ein MUSS: der Buddy-Check vor jedem Tauchgang. Foto: © henktennapel – Fotolia.com

Die wichtigsten Gründe dafür sind:

  1. Wenn zwei Personen die Tauchausrüstung überprüfen, sind die Chancen höher, dass Fehler rechtzeitig entdeckt und korrigiert werden. Das gilt sowohl für das eigene Equipment als auch für das des Partners. Der häufigste Fehler besteht darin, dass das Ventil der Tauchflasche nicht geöffnet wird.
  2. Durch das doppelte Checken wird ein höherer Sicherheitsstandard etabliert. Der Tauchgang gestaltet sich wesentlich entspannter, wenn jeder weiß, dass die eigene Ausrüstung und die des Buddies ordnungsgemäß funktionieren.
  3. Man lernt die Besonderheiten der Tauchausrüstung des Partners kennen. In Problemsituationen kann man dadurch schneller handeln. Wo liegen die Schnellablässe? Auf welche Weise ist der Oktopus befestigt und wie wird das Blei abgeworfen? Im Ernstfall verhindert dieses Wissen unter Umständen einen Tauchunfall.

Was wird beim Buddy-Check getestet?

Jeder Taucher sollte beim Buddy-Check immer dieselbe Reihenfolge einhalten. Dadurch gewöhnt man sich eine bestimmte Routine an, die mit der Zeit in Fleisch und Blut übergeht. Im Prinzip ist es gleichgültig, mit welchem Ausrüstungsteil begonnen wird. Hauptsache ist, dass man den Test überhaupt durchführt und kein wichtiges Detail vergisst. Es gibt einige Eselsbrücken, die Taucher an die Reihenfolge der Überprüfung erinnern sollen. Im englischsprachigen Raum ist die sogenannte BWRAF-Formel sehr populär. Sie wird auch von PADI gelehrt.

BWRAF steht für: BCD, Weights, Releases, Air, Final Check.
Eine politisch nicht ganz korrekte, dafür aber leicht zu merkende Eselsbrücke lautet: Blonde Women Really Are Fun.
Übersetzt bedeutet das: Mit blonden Frauen hat man wirklich Spaß.




Detaillierte Durchführung des Buddy-Checks nach BWRAF

B (BCD) – Tarierweste beziehungsweise Tarierung mit dem Trockenanzug

Tarierjacket

  • Ist das Jacket korrekt angezogen?
  • Wurde der Inflatorschlauch richtig angeschlossen?
  • Kann man das Jacket mit Atemgas füllen und funktioniert das Entleeren?
  • Lässt sich die Tarierweste auch mit dem Mund aufblasen?

Inflator bei Trockis

  • Ist der zweite Inflatorschlauch mit dem Trockenanzug verbunden?
  • Funktionieren die Ein- und Auslassventile?

Schnellablässe

  • Sind Schnellablässe vorhanden?
  • Wo befinden sie sich?
  • Kann man sie gut erreichen?
  • Funktionieren die Schnellablässe richtig?

W (Weights) – Bleigurt oder Bleitaschen

Welches Bleisystem verwendet der Buddy: Bleigurt, bleiintegriertes Jacket, Backplate, Hosenträgerbleigurt? Reicht das mitgeführte Blei für den Tauchgang aus?

Bleigurt

  • Sitz der Gurt vernünftig und ist er fest geschlossen?
  • Kann man die Schnalle gut erreichen oder wird sie von anderen Ausrüstungsteilen verdeckt?
  • Lässt sich der Gurt mit der rechten Hand öffnen?

Bleitaschen

  • Sind die Bleitaschen sicher befestigt?
  • Wie funktioniert der Mechanismus zum Abwerfen?

R (Releases) – Befestigungen, Gurte

Unter „Releases“ versteht man die Teile, mit deren Hilfe sich die Tauchausrüstung vom Körper lösen (englisch: to release) lässt.

  • Sind am Jacket der Bauch-, Schulter- und Brustgurt sicher geschlossen?
  • Wie kann man die Gurte rasch öffnen?
  • Verdeckt der Bauchgurt eventuell den Bleigurt?
  • Ist die Tauchflasche fest und sicher fixiert?

A (Air) – Atemgasverbrauch

Bei der Überprüfung der Luftversorgung sollte man zurückhaltend vorgehen. Viele Taucher mögen es überhaupt nicht, wenn jemand am Flaschenventil herumfummelt. Mit einer harmlosen Frage lässt sich das Ganze einfach abklären: „Hast Du die Flasche aufgedreht oder soll ich einmal nachsehen?“

Tauchflasche

  • Ist das Ventil der Flasche geöffnet (vollständig aufgedreht und dann eine halbe Umdrehung zurück)?

Atemregler

  • Wurde der Oktopus sicher befestigt und lässt er sich gut erreichen?
  • Ist die Munddusche der Atemregler in Ordnung?
  • Ist das Atemgas sauber und trocken? Verunreinigte Luft lässt sich häufig an einem unangenehm öligen Geruch oder Geschmack erkennen.
  • Kann man aus dem Hauptregler sowie dem Oktopus normal atmen (Ein- und Ausatmung)?
  • Wie ist der Zustand der Schläuche?
  • Ist die Führung der Schläuche OK oder sind sie verdreht?

Finimeter

  • Funktioniert der Finimeter?
  • Ist genug Atemluft in der Flasche?
  • Bleibt die Druckanzeige unverändert, wenn man kräftig aus der zweiten Stufe atmet? Ist das nicht der Fall, wurde in der Regel das Flaschenventil nicht richtig geöffnet.

F (Final Check) – abschließende Prüfung sonstiger Ausrüstungsteile

Beim abschließenden Check wirft man einen kurzen Blick auf die übrigen Ausrüstungsteile.

ABC-Ausrüstung

Tauchcomputer

  • Wird ein Computer mitgenommen oder taucht der Buddy mit Tiefenmesser und Tabelle?
  • Was zeigt der Tauchcomputer an? Steht da „No Dive“ oder „Error“, sollte man das nicht einfach ignorieren.

Sonstiges

  • Ist bei dem Tauchgang ein Kompass erforderlich?
  • Nimmt der Buddy eine Unterwasserkamera mit und möchte viele Fotos machen?
  • Wird ein Tauchermesser mitgeführt?
  • Ist eine Deko-Boje vorhanden und wo wurde sie verstaut?
  • Man sollte den Tauchpartner ruhig danach fragen, ob es irgendwelche Besonderheiten gibt, die man wissen sollte. Dazu gehören auch neue, noch nie verwendete Ausrüstungsteile.

Nachttauchgänge

  • Lassen sich die Anzeigen von Tauchcomputer und Finimeter gut in der Dunkelheit erkennen?
  • Ist die Tauchlampe vollständig geladen?
  • Reicht die Brenndauer für den Tauchgang aus?
  • Werden Back-up-Lampen mitgeführt?
  • Wie schaltet man die Tauchlampen ein und aus?

Wenn beide Tauchpartner den Buddy-Check durchgeführt haben und alles in Ordnung ist, kann es losgehen.

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Video: der Buddy-Check nach BWRAF

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2 Antworten

  1. Lothar Claus sagt:

    Danke für die gue Zusammenfassung: wichtig für „seltene Taucher“ wie z.B. mich! Im entscheidenden Moment vergisst man dann doch etwas…
    Immer gute Luft, Lothar

  2. Jens sagt:

    „Er stellt nicht nur sicher, dass alles ordnungsgemäß funktioniert,…“

    Müsste besser heißen, dass alles „an der Oberfläche“ richtig funktioniert. Ob z.B. die Membran im Atemregler nicht gerissen ist, kann man wie beschrieben nicht feststellen. Das geht nur, wenn die Flasche noch nicht aufgedreht ist.

    Und vielleicht versucht Ihr es mal einfach mit:

    Taucher brauchen saubere Luft o. k.

    Taucher = Tarierung
    brauchen = Blei
    saubere = Schnallen, Verschlüsse usw.
    Luft = Atemregler, Flasche
    o. k. = das übrige Gerödel wie Maske usw.

    Man kann den Buddy- Check natürlich auch übertreiben, wenn ich die oben genannte Checkliste abarbeiten müsste, würde wahrscheinlich niemand mehr mit mir Tauchen gehen. Jeder Taucher sollte eigenverantwortlich vor dem Tauchen seine Ausrüstung kontrollieren, der Buddy ist doch kein Babysitter. Bleimenge kontrollieren, Zustand der Flossenbänder kontrollieren, reicht die Brenndauer für den Tauchgang aus, können doch keine Aufgaben des Buddys sein. Ein Kompass gehört zu jedem Tauchgang und eine Back-up Lampe zu jedem Nachttauchgang.

    Etwas weniger ist also oft mehr.

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