Feuerfische

Feuerfisch

Rotfeuerfische gehören zu den giftigsten Tieren der Welt. Foto: © Burkhard Wagner

Feuerfische zählen zu den giftigsten Fischarten

Bis auf zwei Arten sind alle Vertreter der Feuerfische giftig. Das hochwirksame Nervengift dient den Raubfischen nicht zum Beutefang, sondern wird nur zur Verteidigung eingesetzt. Dank ihrer perfekten Tarnung können sich die Tiere unbemerkt einem arglosen Opfer nähern, um es dann plötzlich zu verschlingen. Die Jagdstrategie ist so ausgefeilt, dass andere Fische in der Umgebung den Angriff oft überhaupt nicht wahrnehmen.

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Wissenswertes über Feuerfische

Innerhalb der Familie der Skorpionfische gehören die Feuerfische (Pteroinae) zur Unterordnung der Drachenkopfverwandten (Scorpaenoidei). Die beeindruckenden Tiere werden auch als Rotfeuerfische oder Löwenfische (als Übersetzung der englischen Bezeichnung „lionfish“) bezeichnet. Je nach Art erreichen ausgewachsene Exemplare eine Länge von mehr als 40 Zentimetern. Auffällig sind vor allem die großen, fächerförmigen Brustflossen mit den langen Hartstrahlen. Feuerfische sind wahre Meister der Tarnung: Dank ihrer stark gemusterten rötlichen oder bräunlichen Färbung und den weißen Querstreifen können andere Riffbewohner sie nicht von der Umgebung unterscheiden. Männliche und weibliche Rotfeuerfische ähneln sich in ihrem Aussehen und lassen sich für das ungeübte Auge kaum auseinanderhalten. Nur bei der Balz und der Paarung kann man eindeutige farbliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern erkennen. Erwachsene Feuerfische sind Einzelgänger und bleiben häufig für längere Zeit an demselben Ort. Während der Paarungszeit trifft man sie oft in kleinen Gruppen an.

Vor allem der westliche Pazifik und der östliche Indische Ozean gelten als Heimat der Feuerfische. Im Gebiet zwischen dem Roten Meer und Sumatra sind sie ebenfalls verbreitet. Küstennahe Korallen- und Felsriffe bis zu einer Tiefe von etwa 50 Metern stellen den typischen Lebensraum der Feuerfische dar. In ihrer natürlichen Umgebung sind sie auch im Bereich flacher Mündungs- und Küstengewässer zu finden. Darüber hinaus wurden ausgewachsene Tiere im offenen Meer in Tiefen bis zu 300 Metern beobachtet. Rotfeuerfische zählen zu den nachtaktiven Meeresbewohnern. Am Tag ziehen sie sich häufig in Felsspalten oder unter Felsvorsprünge zurück. In der Regel bewegen sich die Tiere äußerst langsam und zeigen keine Furcht vor Fressfeinden. Sie verlassen sich dabei vollkommen auf ihre perfekte Tarnung sowie die giftigen Stacheln.

Rotfeuerfisch

Feuerfische werden auch als Rotfeuerfische oder Löwenfische (lionfish) bezeichnet. Foto: © Tammo Müller

Ernährung und Jagdverhalten

Feuerfische gehören zu den erfolgreichsten Jägern der Korallenriffe. Von kleinen Fischen bis zu Krebstieren, Kopffüßlern und anderen wirbellosen Tieren fressen sie fast alles, was eine Länge von 10 Zentimetern nicht übersteigt. Bei Sonnenuntergang beginnt für Feuerfische die Jagd. Dann ist die Aktivität im Riff am größten, sodass sie problemlos ihre Beute aufspüren können.

Feuerfische bewegen sich von unten gemächlich an einer Korallenbank oder einer Felswand entlang in Richtung Wasseroberfläche. Während sie sich der Beute nähern, schirmen sie die Bewegungen ihrer Schwanzflosse mit den langen Brustflossen ab. Die bunte Färbung der Feuerfische sorgt dafür, dass ihre Konturen in den farbenprächtigen Korallenriffen verschwimmen. Aufgrund dieser Tarnung sind die Jäger für ihre Beute praktisch unsichtbar. Mit einer blitzschnellen Vorwärtsbewegung greift ein Rotfeuerfisch überraschend an und saugt das Opfer vollständig in sein Maul. Dieser Angriff läuft in einer so geschickten Weise ab, dass andere Fische, die sich in der Nähe befinden, häufig überhaupt nichts davon bemerken.

Wissenschaftler konnten eine weitere ungewöhnliche Jagdstrategie bei den Feuerfischen beobachten: Während sich der Jäger langsam einem Beutetier nähert, erzeugt er mit seinem Maul einen Wasserstrahl und richtet ihn auf das Opfer. Für dieses Verhalten gibt es zwei mögliche Erklärungen. Einige Meeresbiologen glauben, dass sich dadurch die Beute mit dem Kopf voran in Richtung des Wasserstrahls ausrichtet. Dadurch ist es für den Rotfeuerfisch leichter, den Fisch zu fassen und herunterzuschlucken. Eine andere Erklärung besagt, dass durch die Turbulenz des Wasserstrahls die sensorischen Systeme des Opfers irritiert werden.

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Fortpflanzung und Lebenszyklus der Feuerfische

Rotfeuerfische besitzen eine erstaunliche Fortpflanzungsfähigkeit. Im Alter von knapp einem Jahr erreichen sie die Geschlechtsreife. In wärmeren Gewässern paaren sie sich das ganze Jahr hindurch, wobei die Weibchen alle zwei bis drei Tage zwischen 15.000 und 30.000 Eier legen. Das entspricht mehr als zwei Millionen Eiern pro Jahr. Bei der Balz nehmen männliche Tiere eine dunklere Färbung an, die weiblichen Fische hingegen verfärben sich hell. Das Ablaichen erfolgt nahe der Wasseroberfläche, während die Männchen die freigesetzten Eier gleichzeitig befruchten.

Nach 24 bis 36 Stunden schlüpfen die rund einen Millimeter großen Larven und werden von den Meeresströmungen über ein weites Gebiet verteilt (pelagisches Larvenstadium). Die Larven sind ausgezeichnete Schwimmer. Bereits nach vier Tagen beginnen sie damit, sich von kleinen Wimpertierchen zu ernähren. Meeresbiologen vermuten, dass Feuerfische in freier Natur ein Alter von etwa 10 Jahren erreichen können. In Aquarien gehaltene Exemplare werden sogar bis zu 35 Jahren alt.

Kurzflossen Zwergfeuerfisch

Portrait eines Kurzflossen Zwergfeuerfisch – Hausriff Villa Markisa. Foto: © Urs Scheidegger

Feuerfische Steckbrief: 

Artenanzahl: ca. 28 Arten sind bekannt
Familie: Skorpionfische (Scorpaenidae)
Geschlechtsreife: knapp einem Jahr 
Ernährung: Fische, Krebstiere, Kopffüßler und andere wirbellosen Tieren
Lebensraum: westliche Pazifik, östliche Indische Ozean, Roten Meer und Sumatra
Größe: zwischen 12 und 40 cm
Merkmale: gute Tarnfärbung, Gift dient nur zur Verteidigung, die meisten Feuerfischarten sind standorttreu.

Verteidigungsstrategie und Gefahr für den Menschen

Alle Skorpionfische tragen ihren Namen zurecht: Die Tiere verteidigen sich vor Fressfeinden durch Stiche mit ihren Stacheln, die ein starkes Nervengift enthalten. Feuerfische zählen zu den giftigsten Fischen auf unserem Planeten. Das Gift, das sich in den Hartstrahlen der Rücken- Bauch- und Afterflossen befindet, ist für den Menschen nicht tödlich. Jeder dieser Flossenstrahlen ist mit zahlreichen Giftdrüsen versehen, die bei Kontakt mit einem anderen Tier den Botenstoff Acetylcholin sowie andere, bisher noch unbekannte Toxine herauspressen.

Mit etwa 40.000 Fällen pro Jahr treten im Zusammenhang mit Skorpionfischen weltweit die zweithäufigsten Vergiftungen nach den Stachelrochen auf. Da Feuerfische bei den Besitzern von Meeresaquarien äußerst beliebt sind, passieren dort die meisten Unfälle. Ein Stich der Tiere stellt für den Menschen einen akuten medizinischen Notfall dar. Betroffene sollten deshalb so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Als Folge der Vergiftung kommt es zu extrem starken Schmerzen an der Einstichstelle, die auf die gesamte Extremität ausstrahlen können. Weitere häufige Symptome sind: Schwellungen, Blasenbildung, Missempfindungen, Schwitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Bluthochdruck. In schwereren Fällen treten Erbrechen, Atemnot, Angstzustände, Desorientiertheit sowie Bewusstseinseintrübungen bis zur Ohnmacht auf.

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Erste Hilfe bei Vergiftungen durch Feuerfische

Wenn ein Mediziner nicht sofort erreichbar ist, sollte man als Sofortmaßnahme die Heißwassermethode anwenden. In den USA empfiehlt die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) die Einstichstelle für 30 bis 90 Minuten in etwa 45 Grad heißes Wasser zu tauchen. Verbrühungen sollten dabei unbedingt vermieden werden. Anschließend ist umgehend ein Arzt aufzusuchen.

Heilpraktiker, Krankenschwestern, Arzthelferinnen oder Altenpfleger, die im Umgang mit Spritzen geschult sind, können zusätzlich eine Schmerzbehandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel (Lidocain) durchführen. Zu diesem Zweck infiltriert man die Einstichstelle sowie das umliegende Areal mit dem Lokalanästhetikum.

Feuerfische

Feuerfische sind giftig – auch für den Menschen kann ein Stich tödlich enden. Foto: © Ortwin Khan

Invasion der Rotfeuerfische

In ihrer natürlichen Umgebung werden Feuerfische durch Fressfeinde und Konkurrenten in Schach gehalten. Dadurch werden die Populationen niemals so groß, dass sie dem Ökosystem Schaden zufügen können. Anders sieht es aus, wenn die Tiere plötzlich in neuen Meeresgebieten auftauchen. Das attraktive Erscheinungsbild der Rotfeuerfische führte dazu, dass sich in den USA zahlreiche Besitzer von Hobbyaquarien ein Exemplar zugelegt haben. Genetische Untersuchungen lassen vermuten, dass einige dieser Feuerfische anschließend im Meer ausgesetzt wurden.

Die ersten Rotfeuerfische tauchten im Jahre 1985 in Südflorida auf. Seitdem haben sie sich in rasender Geschwindigkeit im Golf von Mexiko, in der ganzen Karibik und an der Ostküste der USA bis nach North Carolina ausgebreitet. Meeresbiologen befürchten eine weitere Invasion der Tiere bis an die Küste von Uruguay. Da ihre natürlichen Feinde fehlen, können sich die gefräßigen Räuber ungestört vermehren. In wissenschaftlichen Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass die Eindringlinge in den Korallenriffen bis zu 80 % der einheimischen Fischpopulationen verdrängen mit dramatischen Folgen für die Ökosysteme.

Seit 2009 versuchen Naturschützer und engagierte Taucher, die Feuerfischplage einzudämmen. In verschiedenen Projekten wurden 25 bis 90 Prozent der Eindringlinge regelmäßig eingefangen, sodass sich die Fischbestände in den Korallenriffen teilweise erholen konnten. Darüber hinaus führen verschiedene Veranstalter Jagdwettbewerbe durch, bei denen die Tiere von Amateuren und Profis harpuniert werden. In diesem Zusammenhang steht auch die Vermarktung der Feuerfische als Delikatesse für Feinschmecker.

Wir danken an dieser Stelle für das bereitstellen der Fotos:
· Fotograf Burkhard Wagner – Portfolio Fotocommunity
· Fotograf Tammo Müller – Tammo Photography
· Fotograf Urs Scheidegger – Scheidegger Fotografie
· Fotograf Ortwin Khan – Portfolio Fotocommunity

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