Trockentauchen / Halbtrocken Tauchen – worauf sollte man achten?

Trockentauchen

Trockentauchen mit Ernest Turnschek vom Tauchsport Yachtdiver Weissensee. Foto: © Georg Nies

Trockentauchen oder Halbtrockentauchen?

Wer öfter in unseren Breiten taucht, kennt das Problem: Ohne einen geeigneten Tauchanzug kühlt man im Wasser schnell aus. Das Trockentauchen bietet den besten Schutz gegen Kälte. Es weist jedoch auch Nachteile auf, die man als Taucher kennen sollte.

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Nass-, Halbtrocken- oder Trockentauchen – was ist besser?

In der Regel machen Taucher ihre ersten Tauchgänge in einem klassischen Nassanzug aus Neopren. Er wird so genannt, da der Anzug nicht dicht ist und Wasser eindringt. Dabei bildet sich eine Wasserschicht zwischen der Haut und dem Anzug, die vom Körper angewärmt wird. Auch bei einem gut sitzenden Nassanzug tritt jedoch immer eine gewisse Wasserzirkulation auf. Deshalb ist er für europäische Breiten nicht geeignet.

Eine Möglichkeit, sich vor Unterkühlung beim Kaltwassertauchen zu schützen, bietet der Halbtrockenanzug. Er besteht aus Neopren und weist ähnliche Eigenschaften auf, wie ein Nassanzug. Aufgrund der doppelten Dichtmanschetten am Hals sowie an den Händen und Füßen dringt jedoch wesentlich weniger Wasser ein. Aufgrund seiner guten isolierenden Eigenschaften eignet sich ein Halbtrockenanzug auch für Tauchgänge in Mitteleuropa.

In einem Trockenanzug oder Trocki bleibt man vollständig trocken. Das Material (Neopren oder Trilaminat) ist wasserundurchlässig. Der Trockenanzug ist zusätzlich am Hals sowie an den Handgelenken mit eng anliegenden Latexmanschetten versehen. Die Füße sind durch fest angesetzte Stiefel geschützt. Die Wärmeisolierung erfolgt bei Trockenanzügen auf zwei Arten: Bei Neoprentrockis ist das Material selbst isolierend. Verwendet man einen Anzug aus Trilaminat, wird noch ein textiler Unterzieher getragen. Trockenanzüge werden zusätzlich mit einem Isolationsgas (Argon oder Luft) gefüllt.

Was spricht für das Trockentauchen?

1. Im Trockentauchanzug friert man nicht so leicht

Der wichtigste Grund für die Verwendung eines Trockis ist der bessere Wärmeschutz beim Tauchen. Bis auf das Gesicht und eventuell die Haare bleibt der Taucher vollständig trocken. Die Isolierung durch das Material und das verwendete Gas ist hervorragend, sodass man im Trockenanzug nicht so schnell friert. Sogar sehr kaltes Wasser lässt sich über längere Zeit aushalten. Der Tragekomfort ist wesentlich angenehmer als beim Halbtrockenanzug. Nach dem Tauchgang schlüpft man einfach in seine Freizeitkleidung. Beim Halbtrockenanzug hingegen muss man sich bei Wind und Wetter abtrocknen und dann umziehen.

2. Trockentauchen erhöht die Sicherheit

Niedrige Temperaturen stellen ein Risiko beim Tauchen dar. Wer nicht ausreichend gegen die Kälte geschützt ist, friert beim Tauchgang. Spürt ein Taucher seine Finger nicht mehr richtig, können Probleme bei der Tarierung auftreten. Die Ventile lassen sich dann nicht mehr mit dem nötigen Feingefühl bedienen. Auch ein Ausblasen der Tauchmaske oder das Abwerfen der Bleitaschen in einer Notsituation ist erschwert. Zusätzlich verringert sich die Konzentrationsfähigkeit des Tauchers. Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße. Dadurch wird der Stickstoffabbau im Gewebe verlangsamt. Das wiederum hat einen Einfluss auf die Nullzeit. Insgesamt ist das Trockentauchen nicht nur angenehmer als das Halbtrockentauchen, sondern erhöht auch die Sicherheit.

3. Beim Trockentauchen ist man unabhängiger

Trockentauchen ist von den äußeren Bedingungen weitgehend unabhängig. Ob im kalten Bergsee oder beim Eistauchen im Winter: Ein Trockentaucher kann das ganze Jahr hindurch seinem faszinierende Hobby nachgehen. Wer mit einem Nass- oder Halbtrockenanzug taucht, muss hingegen während der Wintermonate in wärmere Gefilde ausweichen oder seine Ausrüstung einlagern. In der kalten Jahreszeit sind die Tauchplätze in unseren Breiten nicht so überlaufen und bieten klares Wasser mit unglaublichen Sichtweiten.

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Trockenanzug oder Halbtrockenanzug – was sollte man noch beachten?

1. Trockentauchen erfordert besondere Skills

Im Wasser verhält sich ein Trockenanzug grundlegend anders als ein Halbtrockenanzug. Das Isolationsgas des Trockis bewirkt einen starken Auftrieb, der durch zusätzliche Bleigewichte neutralisiert werden muss. Die Tarierung erfolgt auch beim Trockentauchen mithilfe einer Tarierweste. Die Bedienung der Ausrüstung ist insgesamt komplizierter als beim Halbtrockentauchen. Das Gas kann im Trockenanzug frei zirkulieren und bildet eine Blase am höchsten Punkt. Wenn ein Taucher beispielsweise kopfüber abtaucht, sammelt sich das Isolationsgas in den Beinbereichen und den Füßlingen. Dieses Ungleichgewicht kann dazu führen, dass man unkontrolliert aufsteigt. Um das zu verhindern, muss die Handhabung des Anzugs beim Trockentauchen in Spezialkursen gelernt werden.

2. Der Trockenanzug ist aufwendiger in Pflege, Reparatur und Wartung

Der Pflegeaufwand der Ausrüstung ist beim Trockentauchen größer als bei der Verwendung halbtrockener Anzüge. Um lange Zeit Freude an seinem Trockentauchanzug zu haben, müssen die Latexmanschetten, der Reißverschluss sowie die Ventile instand gehalten werden. Der gasdichte Reißverschluss erfordert dabei eine besondere Pflege. Ist ein Trocki undicht, muss die Reparatur häufig von einem Fachmann ausgeführt werden und ist entsprechend teuer. Ein Nass- oder Halbtrockenanzug hingegen ist sehr robust und kann in den meisten Fällen problemlos selbst repariert werden.

3. Trockentauchen ist deutlich teurer als Halbtrockentauchen

In der Anschaffung ist ein Trockenanzug wesentlich teurer als ein Halbtrockenanzug. Für gute Trockis legt man zwischen 800 und 1500 Euro auf den Tisch. Aus diesem Grunde sollte sich jeder Taucher fragen, ob eine solche Investition wirklich nötig ist. Wer lediglich im Urlaub in den Tropen oder am Mittelmeer ein paar Tauchgänge macht, braucht ohnehin keinen Trockenanzug. Wenn man nur gelegentlich in einem heimischen See taucht, reicht in der Regel ein Halbtrockenanzug mit einer Stärke von sieben Millimetern. Bei Bedarf kann man noch eine Eisweste hinzukaufen. Für einen Taucher, der regelmäßig auch im Herbst und Winter den Anzug nutzen möchte, ist ein Trocki eine gute Investition. Das gilt vor allem deshalb, weil man in unseren Breiten das ganze Jahr über das Trockentauchen ausüben kann.

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