Tintenfische

Tintenfisch

Die bizarre Erscheinung wirkt faszinierend und Furcht einflößend zugleich. Foto: © Anion - Fotolia.com

Faszination Tintenfisch

Wie Geistergestalten gleiten Tintenfische durch das Blau der Ozeane. Die bizarre Erscheinung wirkt faszinierend und Furcht einflößend zugleich. Zu allen Zeiten regte der Tintenfisch die Fantasie der Menschen an. Mythen über todbringende Kraken, die Fischerboote mitsamt ihrer Besatzung in die Tiefe ziehen können, haben schon viele Autoren und Filmemacher inspiriert.

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Wissenswertes über Tintenfische

Tintenfische (Coleoiden) gehören nicht – wie der Name fälschlich suggeriert – zu den Fischen, sondern zu den Weichtieren (Mollusken). Sie bilden eine Unterklasse innerhalb der Kopffüßler. Die wichtigsten Gemeinsamkeiten aller Tintenfische bestehen in:

  • einem charakteristischen Gehäuse beziehungsweise dessen Überresten, das von Weichteilen umschlossen ist,
  • einem Tintenbeutel, der für die Namensgebung verantwortlich ist.

Tintenfische sind wirbellose Tiere; im Gegensatz zu Fischen verfügen sie über kein starres Skelett. Aus diesem Grund können sich die Tiere durch kleinste Öffnungen hindurchzwängen. Bisher bekannt sind rund 1.000 Arten, die von den Küstengewässern bis in die Tiefsee in allen Weltmeeren vorkommen. Zu den bekanntesten Tintenfischen zählen die Kraken, die Kalmare und die Sepien. Anhand des Fossilberichts konnten über 2.000 bereits ausgestorbene Arten von den Meeresbiologen identifiziert werden. Das wichtigste Kriterium für die Einteilung der Coleoiden liegt in der Anzahl der Arme. Unterschieden werden Zehnarmige Tintenfische (Decabrachia) und Achtarmige Tintenfische (Vampyropoda) mit ihren verschiedenen Untergruppen.

Alle Tintenfische besitzen drei Herzen und zwei Nieren. In Reaktionsfähigkeit, Beweglichkeit und Körpergröße übertreffen sie die anderen Weichtiere bei Weitem. In wissenschaftlichen Untersuchungen erwiesen sich Tintenfische als hochintelligent. Nach den Wirbeltieren haben sie im Tierreich eine der höchsten Organisationsformen. Untersuchungen des Mageninhalts zeigten, dass Krebse, Fische sowie andere Wirbellose ganz oben auf der Speisekarte der Kopffüßler stehen. Tintenfische selbst stellen eine reiche Beute für Meeressäuger, Seevögel und Fische dar.

Sebien

Sepien gehören zu den bekanntesten Arten der Tintenfische. Foto: © Richard Carey – Fotolia.com

Tintenfisch – das Chamäleon der Meere

Tintenfische gehören zu den wenigen Tieren auf der Welt, die ihre Hautfarbe in Sekundenschnelle verändern können. Auf diese Weise passen sich die Kopffüßler perfekt an jede Umgebung an. Verantwortlich für diese bemerkenswerte Eigenschaft sind Tausende von Chromatophoren, die direkt unterhalb der Hautoberfläche liegen. In jeder dieser speziellen Zellen befindet sich eine ballonähnliche Struktur, die verschiedene Farbpigmente enthält. Durch das komplexe Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur kann dieser winzige Ballon auseinandergezogen oder zusammengedrückt werden. Dadurch entstehen unterschiedliche Farbtöne und -intensitäten.

Neben den Chromatophoren verfügen einige Tintenfische auch über Iridophoren oder Leukophoren. Bei den Iridophoren handelt es sich um reflektierenden Platten, die durch Lichtbrechung irisierende Effekte ähnlich den wechselnden Farben auf der Oberfläche von Seifenblasen erzeugen können. Leukophoren reflektieren alle Farben der Umgebung, sodass die Konturen des Kopffüßlers verschwimmen. Warum haben die Tiere die Fähigkeit, ihre Färbung zu verändern? Der Hauptgrund liegt darin, dass sich Tintenfische auf diese Art vor einer Entdeckung durch Raubtiere schützen. Neben der Farbe können sie auch die Musterung ihrer Haut ändern, um Felsen oder Korallen zu imitieren. Dadurch verfügen die Kopffüßler über eine fast perfekte Tarnung. Kein Wunder, dass der Tintenfisch auch als das Chamäleon der Meere bezeichnet wird. Der Mimik-Oktopus (Thaumoctopus mimicus) tarnt sich auf eine außergewöhnliche Art und Weise. Anstatt sich an seine Umgebung anzupassen, ahmt das Tier mit seinen Tentakeln die Gestalt anderer Meeresbewohner nach und nimmt deren Farbe an. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass der Mimik-Oktopus in der Lage ist, sich in das Erscheinungsbild von mehr als 15 verschiedenen Arten zu verwandeln, unter anderem Seeschlange, Rotfeuerfisch, Stachelrochen und Flunder.

Einige Tintenfischarten führen Farbänderungen durch, um andere Tiere zu warnen, damit sie ihnen nicht zu nahe kommen. Ein Beispiel dafür ist der extrem giftige, Große Blaugeringelte Krake (Hapalochlaena lunulata). Wie die Kugelfische sondern diese Kraken das Nervengift Tetrodotoxin (TTX) ab. Bei Bedrohung bilden sich braune Flecken auf der Haut, die von leuchtend blauen Ringen umgeben sind. Die Botschaft ist eindeutig: „Wenn Du mich berührst, kann das tödlich für Dich enden!“ Chromatophoren dienen nicht nur zur Tarnung, Tintenfische können Farbänderungen auch für die Kommunikation nutzen. Der männliche Karibische Riffkalmar (Sepioteuthis sepioidea) nimmt eine rote Färbung an, um weibliche Tiere zu beeindrucken. Zur Abwehr konkurrierender Männchen färbt er sich hingegen weiß.

Tintenfisch Steckbrief: 

Artenanzahl: ca. 1000
Bekanntesten Arten: Kraken (Octopoda), Kalmare (Teuthida) und Sepien (Sepiida)
Ernährung: Krebse, Muscheln, Fische
Feinde: Aale, HaieDelfine
Lebensraum: Mittelmeer, wärmere Meere im Allgemeinen
Merkmale: drei Herzen, zwei Nieren, Acht- und Zehnarmig

Täuschung und chemische Kampfführung: die Waffen von Tintenfischen

Zur Verteidigung scheiden die meisten Tintenfische eine Flüssigkeit aus, die als Tinte bezeichnet wird. Die dunkle Färbung entsteht im Wesentlichen durch das Farbpigment Melanin. Farbton und Zusammensetzung der Tinte variieren bei den einzelnen Arten. Kraken verfügen über einen relativ großen Tintenbeutel, der einen wiederholten Einsatz erlaubt. Bei Kalmaren hingegen reicht das „Magazin“ nur für einen einzigen Schuss. Die Tintenfischarten verfolgen deshalb unterschiedliche Strategien.

Eine Verteidigungsmöglichkeit besteht darin, durch die Freisetzung einer großen Menge an Tinte eine dunkle, diffuse Wolke im Wasser zu erzeugen. Ähnlich einer Nebelwand verbirgt sie das Opfer und irritiert einen potenziellen Raubfisch. Dadurch kann sich der Kopffüßer per Rückstoß rasch aus der Gefahrenzone entfernen. Bei der zweiten Variante setzt der Tintenfisch eine oder mehrere kleine Tintenwolken frei, die einen hohen Schleimgehalt aufweisen. In der Wahrnehmung eines Fressfeindes ähneln diese Wolken dem Erscheinungsbild des Kopffüßers. Aufgrund des erhöhten Schleimanteils schwebt die Struktur für kurze Zeit auf einer Stelle. Viele Raubfische wurden bereits bei dem irrtümlichen Angriff auf diese Tintenwolken beobachtet. Der Kopffüßler nutzt die Verwirrung aus, um sich unbemerkt aus dem Staub zu machen.

Viele Räuber, die sich auf das Jagen von Tintenfischen spezialisiert haben, besitzen hoch entwickelte Chemosensoren. Diese Sinneszellen lassen sich nicht so einfach durch die beiden oben genannten Strategien irritieren. Neuere Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass einige der Kopffüßler mit „chemischer Kampfführung“ gegen diese Chemorezeptoren vorgehen. Unter anderem setzen die Tiere gemeinsam mit der Tintenwolke bestimmte Enzyme (Tyrosinasen) frei, die die Chemosensoren täuschen oder sogar deaktivieren können.

Der rätselhafte Tintenfischschnabel

Tintenfische haben einen messerscharfen und äußerst harten Schnabel, um damit ihre Beute zu erlegen. In der biologischen Forschung war es lange Zeit unklar, wie die Tiere damit auf die Jagd gehen können, ohne sich mit dem gefährlichen Beißwerkzeug in das eigene Gewebe zu schneiden? Der Körper eines Tintenfischs ist weich wie ein Wackelpudding. Wie lässt sich daran ein scharfer, harter Schnabel befestigen? Auf den Menschen übertragen ist dieses Problem vergleichbar mit dem Versuch, ein beidseitig geschliffenes Messer an der Klinge festzuhalten und auf diese Weise ein Stück Fleisch zu schneiden.

Forscher an der University of California in Santa Barbara haben das Rätsel gelöst und ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht. Ali Miserez und seine Kollegen untersuchten das Schnabelmaterial von Tintenfischen und stellten dabei Folgendes fest: Der Schnabel besteht aus Chitin, Wasser sowie verschiedenen, miteinander vernetzten Proteinen. Der Clou liegt darin, dass die Anteile dieser Komponenten nicht konstant sind, sondern variieren. Von der Basis bis zur Schnabelspitze nimmt die Chitinmenge deutlich ab, während der Proteingehalt umgekehrt von etwa 5 auf 60 Prozent zunimmt. Der entscheidende Faktor für die Härte des Schnabels ist der Wasseranteil. Er liegt bei 70 Prozent an der Basis und verringert sich auf rund 20 Prozent an der Spitze. Durch dieses ausgeklügelte System entsteht ein Härtegradient: Die Schnabelspitze des Tintenfischs ist über hundertmal härter als der Übergang zum Gewebe.

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