Delfine

Delfin Steckbrief

Der Delfin gehört zu den intelligentesten Tieren der Welt. Foto: © Andrea Izzotti - Fotolia.com

Delfine / Delphine (Delphinidae)

Keine anderen Lebewesen üben auf den Menschen eine so starke Faszination aus wie die Delfine. Die hochintelligenten Tiere besitzen Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen und sogar ein Ichbewusstsein. Delfine leben in komplexen Sozialstrukturen, jagen gemeinsam und sprechen einander mit Namen an.

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Wissenswertes über den Delfin

Delfine (Delphinidae) sind Meeressäuger und zählen zu den Zahnwalen. Mit rund 40 Arten stellen sie die größte Familie der Wale dar. Der Schwertwal (Orca) sowie die Grindwale gehören ebenfalls zu den Delfinen. Die bekannteste Art ist der Große Tümmler, der durch die Fernsehserie „Flipper“ aus den 1960er Jahren große Berühmtheit erlangte. Die meisten Delfinarten erreichen eine Länge zwischen 1,2 und 4 Metern bei einem Gewicht von 50 bis 200 Kilogramm. Als größter Vertreter ist der Orca bis zu 9 Meter lang und etwa 10 Tonnen schwer. Delfine haben einen stromlinienförmigen Körper und eine große, kräftige Schwanzflosse, die eine schnelle Fortbewegung im Wasser ermöglichen. Die meisten Delfinarten leben weltweit in flachen Gewässern tropischer und gemäßigter Meereszonen. Süßwasserdelfine sind in tropischen Flüssen wie dem Amazonas, dem Ganges und dem Indus beheimatet.

Nicht nur im Wasser, sondern auch über der Wasseroberfläche besitzen Delfine ein ausgezeichnetes Sehvermögen. Während erwachsene Menschen lediglich Frequenzen zwischen etwa 3 und 16 kHz hören, können Delfine auch Töne im Ultraschallbereich (220 kHz) wahrnehmen. Ihr Tastsinn ist gut entwickelt, ein Geruchssinn fehlt hingegen völlig. Erstaunlicherweise verhalten sich Delfine nicht selten altruistisch, auch gegenüber Tieren einer anderen Spezies. Bekannt sind Fälle, in denen sie verletzte Menschen vor dem Ertrinken retteten.

Delfine sind faszinierende Wassersportler

Einige Arten erreichen Geschwindigkeiten bis zu 55 Stundenkilometern. Immer wieder katapultieren sich Delfine über die Wasseroberfläche und können dabei mehr als sechs Meter hoch springen. Wissenschaftler vermuten mehrere Gründe für dieses Verhalten. Bei Wanderungen schonen die Tiere durch Luftsprünge ihre Kräfte. Da der Luftwiderstand wesentlich geringer ist als der Wasserwiderstand, können Delfine mit der gleichen Kraftanstrengung größere Entfernungen zurücklegen. Zu den anderen möglichen Erklärungen für das Sprungverhalten zählen non-verbale Kommunikation, Kampf, Spaß und Spiel, Orientierung sowie der Versuch, Hautparasiten abzustreifen.

In bestimmten Intervallen müssen Delfine auftauchen, um Luft zu holen. Im Gegensatz zu Landsäugetieren, die durch ihr Maul Nahrung aufnehmen und atmen können, haben Delfine für jede dieser Funktionen eine separate Körperöffnung. Die Atmung erfolgt ausschließlich über das Blasloch. Auf diese Weise wird das Risiko vermindert, dass die Tiere bei der Jagd versehentlich Wasser in die Lunge saugen. Ein Esslöffel Salzwasser sorgt bereits dafür, dass ein Delfin ertrinkt. Einige Arten atmen etwa alle 20 Sekunden, während andere bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben können. Der tiefste, offiziell bestätigte Tauchgang eines Delfins betrug 300 Meter. Da Menschen über einen Atemreflex verfügen und somit unbewusst atmen, besteht auch während des Schlafs keine Erstickungsgefahr. Im Gegensatz dazu müssen Delfine ihre Atemzüge bewusst steuern. Wenn die Tiere schlafen, bleibt deshalb ständig eine der beiden Gehirnhälften aktiv. Dadurch können sie zum Atmen immer wieder an die Wasseroberfläche aufsteigen und gleichzeitig eventuelle Bedrohungen sofort wahrnehmen.

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Hoch entwickelte Kommunikationsformen

Delfine sind in der Lage, viele unterschiedliche Töne hervorzubringen. Bisher konnten von Meeresbiologen drei Kategorien identifiziert werden: frequenzmoduliertes Pfeifen, gepulste Töne und hochfrequente, klickende Geräusche. Die Tiere kommunizieren miteinander hauptsächlich über Pfeiftöne, die durch ein Vibrieren des Bindegewebes entstehen. Das Prinzip der Klangerzeugung ist ähnlich wie bei menschlichen Stimmbändern. Bei den klickenden Geräuschen handelt es sich um eine gerichtete Echoortung (Echolokation). Die Töne werden in einem speziellen Organ erzeugt, der sogenannten Melone.

Die Großen Tümmler verwenden charakteristische Pfeiflaute (Signaturpfiffe), um mit ihren Artgenossen zu kommunizieren und gleichzeitig von ihnen erkannt zu werden. Der individuelle Pfeifton bildet sich im Laufe des ersten Lebensjahres heraus und bleibt dann ein Leben lang bestehen. Da der Signaturpfiff für jeden Delfin einzigartig ist, stellt er folglich den Namen des Tieres dar. Delfine „sprechen“ einen Artgenossen an, indem sie sein Pfeifen nachahmen. Große Tümmler besitzen ein ausgezeichnetes Gedächtnis für Signaturpfiffe. Sie erkennen sogar die Töne eines anderen Delfins wieder, den sie mehr als 20 Jahre nicht gesehen haben.

Delfine benutzen eine effektive Jagdstrategie

Die Hauptmahlzeit der meisten Delfinarten besteht aus Fisch. Einen kleinen Teil ihres Nahrungsbedarfs decken sie mit Krustentieren und Tintenfischen. Bis zu 15 Kilogramm frisst ein ausgewachsenes Exemplar pro Tag. Die rund 100 Zähne im Maul dienen dem Festhalten der Beute. Da sie über keine Kaumuskulatur verfügen, schlucken Delfine ihre Nahrung unzerkaut herunter.

Bei der Jagd arbeiten die Tiere zusammen und wenden eine spektakuläre Jagdtechnik an. Zunächst orten sie größere Fischschwärme per Echolokation und verfolgen sie mit hoher Geschwindigkeit. Mithilfe einer ausgefeilten Strategie treiben sie die Fische immer enger zusammen. Anschließend umkreisen die Delfine den Schwarm und zwingen ihn in Richtung Wasseroberfläche. Dabei stoßen sie ununterbrochen Luftblasen aus, die wie ein riesiges Netz die Beute in Schach halten. Zum eigenen Schutz verdichtet sich der Schwarm weiter, bis schließlich ein rundes, ballähnliches Gebilde aus Fischkörpern entsteht: der sogenannte Köderball (Bait ball).

Mit geöffnetem Maul stürzen sich die Delfine abwechselnd in den Fischschwarm und schnappen mit ihren Zähnen nach der Beute. Die Jagd steigert sich zu einem wahren Fressrausch, an dem auch aufmerksame Seevögel teilnehmen. Diese stoßen von oben in den Köderball hinein und fliegen mit ihrem Fang davon. Das Festmal ist erst dann beendet, wenn der Fischschwarm vollständig aufgefressen wurde.

Delfin Arten und Lebensraum

Delfine haben Hoch entwickelte Kommunikationsformen. Foto: © Andrea Izzotti – Fotolia.com

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Fortpflanzung und Aufzucht

Die meisten Delfinarten leben in geselligen Verbänden (Schulen) zusammen, die bis zu 1.000 Tiere umfassen können. Jedes Jahr paaren sich die männlichen Delfine einer Gruppe mit mehreren Weibchen, während weibliche Tiere nur alle zwei bis drei Jahre eine Paarung eingehen. Je nach Spezies dauert die Tragzeit zwischen 10 und 18 Monaten. Wenige Tage vor der Geburt sucht die Mutter ein ruhiges Gewässer auf, wo sie den Nachwuchs zur Welt bringt. Wie alle Wale gebären Delfine selten mehr als ein Kalb. In der Regel handelt es sich dabei um eine „Steißgeburt“: Das Junge kommt mit der Schwanzflosse zuerst zur Welt. Wäre es anders, würden die Kälber bei der Geburt mit großer Wahrscheinlichkeit ertrinken.

Die Delfinmutter kümmert sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs. Zwischen drei und acht Jahren bleibt das Junge bei ihr und wird durchschnittlich für zwei bis drei Jahre gesäugt. Während dieser Zeit werden die Jungtiere von der ganzen Gruppe beschützt. Die Geschlechtsreife erlangen Delfine im Alter von 7 Jahren. Obwohl nur wenige Erkenntnisse vorliegen, gehen Wissenschaftler davon aus, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Meeressäuger 20 bis 30 Jahre beträgt. Einige Große Tümmler, die über längere Zeit im Meer beobachtet wurden, erreichten ein Alter von fast 50 Jahren.

Der Delfin gehört zu den intelligentesten Tieren der Welt

Delfine zeigen innerhalb des Tierreichs ein unglaublich soziales Verhalten. Sie sind in der Lage zu lernen, eigenes Wissen an andere weiterzugeben, Werkzeuge zu benutzen, zusammenzuarbeiten und trauern sogar um tote Artgenossen. Der Grund für diese einzigartigen Fähigkeiten könnte in den Spindelzellen im Neocortex der Delfine liegen. Bis zum Jahr 2007 wurden die speziellen Nervenzellen nur in den Gehirnen von Hominiden nachgewiesen. Beim Menschen sind diese Zellen an sozialem Verhalten, Emotionen, Empathie sowie dem Urteilsvermögen beteiligt. Die Spindelzellen befinden sich bei einem Delfin in vergleichbaren Hirnarealen wie beim Menschen, was darauf hindeutet, dass sie eine ähnliche Funktion ausüben.

Von einigen Wissenschaftlern wird Selbstbewusstsein (im Sinne von sich seiner selbst bewusst sein) als ein Zeichen für hoch entwickeltes, abstraktes Denken angesehen. Um festzustellen, ob ein Lebewesen über Selbstwahrnehmung verfügt, wird der sogenannte Spiegeltest durchgeführt. Forscher installieren einen Spiegel im Käfig beziehungsweise im Aquarium, in dem sich die Versuchstiere befinden. Nachdem sie ihr Spiegelbild angeschaut und sich an die Funktion des Spiegels gewöhnt haben, werden sie mit einer ungiftigen Tinte an verschiedenen Körperstellen markiert. Die Farbmarkierungen können nur anhand des Spiegelbilds wahrgenommen werden. Anschließend beobachten die Forscher, ob die Tiere auf die Farben reagieren. Delfine und einige andere Wale bestehen den Spiegeltest.

Selbstbewusstsein stellt die Fähigkeit dar, sein Spiegelbild auf sich selbst zu beziehen. Diese Erkenntnis wurde bisher nur bei Menschen und höheren Affenarten beobachtet. Neuere Studien zeigen, dass auch Delfine über ein Ichbewusstsein verfügen. Wissenschaftliche Untersuchungen anderer Tierarten zu diesem Thema sind bisher alle negativ oder nicht eindeutig ausgefallen. Seit einiger Zeit fordern Delfinschützer sowie einige Meeresbiologen die Anerkennung einer besonderen „Delfinethik“. Den Tieren soll der Status von „nichtmenschlichen Personen“ zuerkannt werden.

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Navy-Delfine können Sprengstoffe aufspüren

Als Geheimwaffe der US Navy sind Delfine in der Lage, Unterwasserminen zu lokalisieren. Die Meeressäuger kommen deshalb in Konfliktgebieten wie dem Nahen Osten zum Einsatz. Unter anderem patrouillieren Navy-Delfine die Straße von Hormus, die einen wichtigen Durchgang für den weltweiten Schiffsverkehr darstellt. Nicht selten bringen Terroristen an der Außenwand von Öltankern Sprengsätze an. Das Militär trainiert Delfine auf eine ähnliche Art wie die Bombenspürhunde. Die Tiere lernen, schwer zu entdeckende Sprengstoffe aufzuspüren und den Fund anzuzeigen. Anschließend führen sie einen Taucher an die entsprechende Stelle, damit dieser die Bombe entschärft.

Der Mensch bedroht die Existenz der Delfine

Zu den wenigen natürlichen Feinden von Delfinen gehören vor allem die großen Haiarten. Die größte Bedrohung geht allerdings vom Menschen aus. Nach Angaben der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. (GRD) sind immer mehr Arten von der Ausrottung bedroht. Neben der Verschmutzung der Weltmeere stellt die anhaltende Überfischung einen der Hauptgründe dar. Der Chinesische Flussdelfin, der im mittleren und unteren Einzugsgebiet des Jangtsekiang lebte, gilt bereits seit 2006 als ausgestorben. Fast alle Delfinarten stehen inzwischen auf der Roten Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources).

In Japan sowie den Färöer Inseln zählen Delfine traditionell zu den verzehrbaren Tieren. Das Fleisch wird von Japanern häufig in dünne Streifen geschnitten und roh gegessen. Verschiedene chemische Analysen zeigten, dass Delfinfleisch aufgrund der zunehmenden Vergiftung der Meere durch den Menschen hohe Konzentrationen an Quecksilber und PCB enthält. Die japanische Regierung empfiehlt deshalb Kindern und Schwangeren, den Konsum einzuschränken. Ähnliche Bedenken bestehen auf den Färöer Inseln, wo der Verzehr von Grindwalfleisch durch Schwangere zu kognitiven Einschränkungen bei ihren ungeborenen Kindern führte.

Durch die Verwendung von Treib- oder Schleppnetzen werden unabsichtlich viele Delfine getötet. Vor allem der Beifang in Treibnetzen (Kiemennetzen) tritt häufig auf und stellt ein großes Risiko für alle Delfinpopulationen dar. Die Fischindustrie versucht seit einiger Zeit, durch delfinfreundliche Fangmethoden die Verbraucher zu beruhigen. Die ersten Werbekampagnen mit dem Label „delfinsicher“ (dolphin safe) kamen in den 1980er Jahren in den USA durch eine Zusammenarbeit von großen Thunfischunternehmen und Umweltaktivisten zustande. Aufgrund verbesserter Fangmethoden konnte die Anzahl der getöteten Delfine um die Hälfte reduziert werden. In Deutschland weist das SAFE-Siegel darauf hin, dass beim Thunfischfang keine „delfintödlichen“ Methoden zum Einsatz kommen.

Video: Delfine hautnah – Berauschender Kugelfisch

Weitere Infos über den Kugelfisch in unserem Artikel: Kugelfische

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